Meister des Thrillers fürchtet sich vor Denkblockade

© Raschke Entertainment GmbH, Fotograf: Lucia Fuster

Kurzinfo Sebastian Fitzek

Er versorgt die Thriller-Fans in schöner Regelmäßigkeit mit neuen atemberaubenden Werken. Mittlerweile liegt seine Gesamtauflage bei circa 4,5 Millionen verkauften Büchern. Sebastian Fitzek versteht es wie kaum ein anderer, seine Leser in seinen Bann zu ziehen. Das gelingt ihm auch im folgenden Gespräch wieder…

Das Interview

Tierfreund Sebastian mit Hündin… (Berlin Zehlendorf)

Tierfreund Sebastian mit Hündin… (Berlin Zehlendorf)

Norman Habenicht: Hallo Herr Fitzek! Sie sind ein wahrer Meister des Thrillers. Sind Sie – so wie ich – mit den Romanen von Stephen King aufgewachsen, oder welche Schriftsteller haben Ihren Schreibstil besonders geprägt?

Sebastian Fitzek: Seitdem mir meine Eltern Jim Knopf vorgelesen haben mich unglaublich viele Schriftsteller beeindruckt. Blyton in der Kindheit, King in der Jugend, Grisham und Crichton während meines Jura-Studiums, aktuell Deaver, Coben und Lehane. Aber auch deutsche Autoren wie Link, Schätzing, Prange, Eschbach, also die üblichen Verdächtigen. Ach – und einen darf ich nicht vergessen: Alfred Weidenmann, der als Jugendbuchautor mit meinem Vater bekannt gewesen ist. Seine Bücher habe ich auch verschlungen und als ich ihn dann als kleiner Junge einmal bei uns zu Hause kennen lernen durfte, dachte ich zum ersten Mal darüber nach, Autor zu werden.

Norman Habenicht: Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Geschichten? Haben Sie von Beginn an den Anfang und das Ende im Kopf, oder entsteht die Story erst beim Schreiben?

Nachdem ich diese Kernfrage gefunden und für spannend befunden hatte, habe ich etwa ein Jahr lang nachgedacht.

Sebastian Fitzek: Ich finde meine Ideen im Alltag. Ein Beispiel:
 Die Idee zur Therapie kam mir tatsächlich während ich in einem völlig überfüllten Wartezimmer eines Arztes darauf wartete, dass meine Freundin endlich wieder aus der Behandlung kommt. Als das nach einer halben Stunde immer noch nicht der Fall war, begann mein Thriller-Hirn zu grübeln: Was wäre, wenn dir jetzt alle sagen würden, sie wäre gar nicht hineingegangen? Wenn Sprechstundenhilfe und Arzt behaupteten, heute hätten sie meine Freundin noch nicht gesehen? Wenn auch die anderen wartenden Patienten mit dem Kopf schütteln würden? Welchen logischen Grund könnte es dafür geben, dass sie fortan nie wieder auftaucht? Nachdem ich diese Kernfrage gefunden und für spannend befunden hatte, habe ich etwa ein Jahr lang nachgedacht. Danach hatte ich ein Exposé mit einer – wie ich finde – schlüssigen Story zusammen. Erst dann fing ich an, zu schreiben. Dabei verändert sich die Geschichte aber immer, da die Figuren nach etwa 50 Seiten sich vom Exposé lösen und das Heft selbst in die Hand nehmen.

© Raschke Entertainment GmbH, Fotograf: Lucia Fuster

© Raschke Entertainment GmbH, Fotograf: Lucia Fuster

Norman Habenicht: Ihr Roman „Das Kind“ kam 2012 sogar in die Kinos. Klassischerweise bin ich in 95% der Fälle enttäuscht, wenn ich erst das Buch lese und anschließend die Verfilmung sehe. Als Autor stelle ich mir das ungleich schlimmer vor – wie war das bei Ihnen, als Sie den Film das erste Mal auf der Leinwand sahen?

Sebastian Fitzek: Ich war sehr aufgeregt und es war ein tolles Erlebnis für mich. Ein Film ist für einen Autor ja die Möglichkeit, endlich einmal seinem Leser in den Kopf zu sehen. Zumindest in die Köpfe des Regisseurs, des Drehbuchautors, Kameramanns und Casters – hier konnte ich auf der Leinwand sehen, welche Bilder sie vor Augen hatten, als sie mein Werk gelesen haben.

Norman Habenicht: Könnten Sie sich vorstellen, auch mal einen Liebesroman zu schreiben?

Das Making-Of von einem meiner Bücher wäre ein Tausend-Stunden-Stummfilm, bei dem man nur meine Finger auf einer Tastatur sieht.

Sebastian Fitzek: Als Autor kann ich mir sehr viel vorstellen. Die Frage ist eher, wie wahrscheinlich das ist. Aber auch hier würde ich niemals nie sagen.

Norman Habenicht: Sie schreiben pro Jahr ein bis zwei Bücher. Wie darf man sich bei Ihnen einen – wenn es einen solchen denn überhaupt gibt – typischen Arbeitsalltag vorstellen?

Sebastian Fitzek: Es gibt keinen Alltag, zum Glück. Heute darf ich ein Interview geben, morgen fahre ich vielleicht zu einer Lesung ins Ausland oder sitze in der Premiere eines Theaterstückes zu einem meiner Bücher. Ansonsten ist das Schreiben ein eher langweiliger und einsamer Prozess. Das Making-Of von einem meiner Bücher wäre ein Tausend-Stunden-Stummfilm, bei dem man nur meine Finger auf einer Tastatur sieht.

Bitte vervollständigen Sie folgende Sätze:

Zurzeit lese ich… Dennis Lehane, In der Nacht

Meine drei Kinder… lesen zum Glück noch nicht meine Bücher.

Die Angst, dass ich irgendwann mal eine Schreibblockade haben könnte… stellt sich mir nicht. Ich hab eher Angst vor Denkblockaden.

Das beste Buch, das ich je gelesen habe… ist hoffentlich noch nie geschrieben worden, damit ich das Beste nicht schon hinter mir habe.

Partys und rote Teppiche sind für mich… laut und rot.

strich

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