Ein Weltmeister gibt Entwicklungshilfe

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Kurzinfo Thomas Häßler

Trotz seiner relativ geringen Körperlänge, ist er bis heute einer der Allergrößten seines Fachs. Wo er auch spielte, war Thomas “Icke” Häßler stets der Dreh- und Angelpunkt seiner Mannschaft. Ein Spielmacher der alten Schule – Dribbelkünstler mit einem feinen Füßchen und dem Blick für den tödlichen Pass.

Als Fußballer war es da natürlich eine besondere Ehre, ein paar Worte mit der lebenden Legende (Weltmeister 1990, Europameister 1996) wechseln zu dürfen. Besonders amüsiert hat mich die Geschichte von Sepp Maiers Streich, den er dem Physiotherapeuten bei der Nationalmannschaft gespielt hat. Aber lest einfach selbst – viel Spaß!

Das Interview

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Norman Habenicht: Guten Tag, Herr Häßler! Sie sind 1990 Weltmeister geworden. Wie haben Sie den Titel in diesem Jahr wahrgenommen und wie hat Ihnen die WM in Brasilien insgesamt gefallen?

Thomas Häßler: Die WM hat mir gut gefallen, es waren sehr gute Spiele dabei. Das Niveau insgesamt war besser als das bei der letzten WM in Südafrika. Natürlich habe ich mich am meisten darüber gefreut, dass die deutsche Mannschaft die beste des Turniers war und verdient Weltmeister geworden ist.

Norman Habenicht: Sie waren stets einer der brilliantesten Techniker unter den deutschen Fußballern, Mittlerweile verfügt Jogi Löw über eine Vielzahl an spielerisch herausragenden Fußballern. Sehen Sie das mit großer Freude oder vermissen Sie nicht auch manchmal die etwas robusteren Spielertypen, die hinten den Laden dicht machen und dem Gegner auch mal wehtun?

Vielleicht müsste man hin und wieder auch mal einen wie Guido Buchwald im Team haben, der mal dazwischenhaut und eine Art Weckruf macht.

Thomas Häßler: Ich denke, in der heutigen Zeit gibt es die Spielertypen, die ein Team wachrütteln, wenn’s mal nicht so läuft, kaum noch. Früher gab es sicherlich weniger Spieler, die technisch nicht so brillant versiert waren wie es heute ein Reus, ein Götze oder ein Schürrle ist. Vielleicht müsste man hin und wieder auch mal einen wie Guido Buchwald im Team haben, der mal dazwischenhaut und eine Art Weckruf macht. Sowas vermisse ich schon. Aber ansonsten wäre ich von den fußballerischen Möglichkeiten, die Jogi Löw zur Verfügung hat, natürlich beruhigt.

Norman Habenicht: Sie haben für viele große Clubs im In- und Ausland ihre Stiefel geschnürt. 1. FC Köln, Juventus Turin, AS Rom, Borussia Dortmund, um nur einige davon zu nennen. Wo hat es Ihnen am besten gefallen?

Thomas Häßler: Ach, ich habe mich überall wohlgefühlt. Das war natürlich wichtig, um gute Leistung zu zeigen. Und das war bei allen Vereinen gegeben. Auch in Italien habe ich mich relativ schnell angepasst und mit einem Lehrer innerhalb eines halben Jahres das gröbste Fußball-Italienisch gelernt. Das war natürlich wichtig, um mich auf dem Platz zu verständigen.

Norman Habenicht: Im Laufe einer langen und erfolgreichen Karriere erlebt man ja sicher die verrücktesten Geschichten. An Welche denken Sie heute immer noch mit Freude zurück?

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Wir sind Aufsteiger und wollen uns langfristig in der ersten Liga etablieren.

Thomas Häßler: Sicherlich die Geschichte mit dem Hasen im Verbandskoffer vom damaligen Physio Adi Katzenmeier. Sepp Maier hatte bei einem Training damals die kompletten Medikamente und Mullbinden aus dem Koffer genommen und stattdessen einen Hasen reingesetzt. Der Andi Brehme hat dann eine Verletzung vorgetäuscht. Der Adi Katzenmeier hat sich den Koffer geschnappt, macht ihn auf und dann springt ihm der Hase entgegen. Da haben wir uns natürlich kaputt gelacht.

Norman Habenicht: Sie sind derzeit beim iranischen Erstligisten Padideh FC tätig. Wie genau sieht dort Ihre Arbeit aus? Was sind die größten Unterschiede zur Bundesliga?

Thomas Häßler: Meine Arbeit besteht darin, zusammen mit Ali Marzban taktische Konzepte zu entwickeln. Ich selbst stehe auch jeden Tag auf dem Platz und trainiere öfter mit den Offensivspielern. Der Verein existiert gerade mal ein paar Jahre und da liegen noch einige Sachen im Argen. Ich helfe, damit sich der Verein organisatorisch besser aufstellt. Es gibt im iranischen Fußball durchaus Teams die infrastrukturell sehr gut aufgestellt sind, allen voran Persepolis und Esteghlal aus Teheran. Wir sind Aufsteiger und wollen uns langfristig in der ersten Liga etablieren.

Bitte vervollständigen Sie folgende Sätze:

Der Siegtreffer in der WM-Quali 1990 gegen Wales war… mit mein wichtigstes Tor.

Mein liebster Mitspieler im Laufe meiner Karriere war… Pierre Littbarski. Mit ihm hab ich mich auf und neben dem Feld am besten verstanden.

Mein unangenehmster Gegenspieler meiner Karriere war… Axel Roos vom 1. FC Kaiserslautern. Nicht weil er unfair war, sondern weil er wie ein Kleber am Schuh war. Das war so ein kleiner Terrier und mit mein unangenehmster Gegenspieler.

Die Dominanz des FC Bayern München… ist schon außergwöhnlich. Für die anderen Bundesligisten ist es eine absolute Herausforderung, den Bayern, so wie zuletzt Schalke, einen Punkt zu klauen. Die nächsten Jahre wird sich an dieser Dominanz auch nicht viel ändern, ist mein Eindruck.

Die jungen Spieler von heute… sollen mit ihrem Erreichten nie zufrieden sein. Es gibt immer neue Ziele. Bei ein, zwei Bundesligaspielen hat man noch nicht viel erreicht. Sie sollten immer an sich arbeiten, denn es wird keinem was geschenkt.

strich

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