Ein leuchtendes Beispiel für Kinder und Jugendliche

© Jonathan F. Kromer

Kurzinfo Erwin Aljukic

Dreizehn Jahre lang war er in der täglichen Serie “Marienhof” in der Rolle als Frederik Neuhaus im Ersten zu sehen. Doch auch nach dem Ende der Serie ist im Leben von Erwin Aljukic viel passiert. Ich hatte die Gelegenheit, mit ihm über seine neue Tätigkeit als Botschafter für das Jugendrotkreuz, seinen Kater Milan und seinen Weg in ein autarkes Leben zu sprechen.

Das Interview

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Norman Habenicht: Hi Erwin! Ich habe früher immer sehr gerne Marienhof mit dir in der Rolle des Frederik Neuhaus gesehen. Mit welchen Gefühlen blickst du auf die Zeit zurück?

Erwin Aljukic: Wenn wir über die Zeit im “Marienhof” sprechen, sprechen wir von 13 Jahren meines Lebens. Wie bei jedem Menschen tut sich in so einer langen Zeitspanne sehr viel; wo sich bei der Rolle oder in Bezug auf meine Arbeit oftmals wenig verändert hat, ist doch parallel dazu bei mir buchstäblich sehr “viel passiert”…

In oftmals direktem Zusammenhang zum “Marienhof”, musste ich lernen, mit vielen neuen Begebenheiten und Herausforderungen umzugehen. Dem bin ich heute sehr dankbar.

Ebenso war und ist es immer wieder eine Herausforderung, Menschen zu zeigen, dass man eine andere Person ist als so eine langjährig dargestellte Rolle…

So eröffnete und eröffnet mir diese Zeit im “Marienhof” ungeahnte Chancen und Möglichkeiten, spannende Erfahrungen und Erlebnisse zu machen, interessante Menschen kennenzulernen, an tolle Orte zu kommen – was ohne dessen niemals der Fall (gewesen) wäre. Aufgrund solch eines straffen und fördernden Produktionsformates konnte ich auch eine hohe Belastbarkeit, Disziplin und Professionalität verinnerlichen, was mir in sehr vielen Tätigkeitsfeldern zugute kommt.

Gleichzeitig musste ich lernen, mit Begrenzungen oder Frustrationen umzugehen, nahm es mir auch sehr viele Freiheiten; wie etwa im Privatleben, anonym zu sein oder in Bezug auf die Rolle die Ideen realisieren zu können, wie ich es mir gewünscht hätte – stieß man oftmals auf Grenzen einer “Maschinerie”. Ebenso war und ist es immer wieder eine Herausforderung, Menschen zu zeigen, dass man eine andere Person ist als so eine langjährig dargestellte Rolle…

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Norman Habenicht: Könntest du dir vorstellen, noch einmal für eine andere tägliche Serie vor der Kamera zu stehen? Gibt es da vielleicht sogar einen bestimmten Wunsch?

Erwin Aljukic: Vieles beantwortet sich bereits aus dem letzten Punkt… Ich habe nichts grundsätzlich gegen die Mitwirkung in solch einem Format, doch könnte man genauso gut jeden Menschen fragen, ob er Lust hätte, nach 13 Jahren der gleichen Arbeit immer noch dasselbe zu machen?!?! Irgendwann ist dann auch mal gut, oder?!?!

Norman Habenicht: Du engagierst dich für zahlreiche soziale Projekte und bist unter anderem Botschafter des Jugendrotkreuzes. Was bedeuten dir diese Tätigkeiten? Lässt sich das immer mit dem Beruf auch zeitlich vereinbaren?

Erwin Aljukic: Meiner Meinung nach muss sich solch eine Tätigkeit mit dem Beruf vereinbaren lassen! Ich wurde und werde nicht nur durch meine dargestellten Rollen für etwas wahrgenommen; so schaffte ich es, trotz widrigster “Startbedingungen” meinen ganz eigenen Weg zu gehen. Trotz einer von der “normalen” Welt fast vollkommen isolierten Umgebung in meiner Kindheit in Krankenhäusern oder Schulen für Körperbehinderte, gelang mir der Wechsel aufs Regelgymnasium, der Umzug in eine fremde Stadt bis hin zu einer erfolgreichen Karriere. Heute lebe ich ein vollkommen eigenständiges und autarkes Leben.

Buntstifter, also Botschafter des Jugendrotkreuzes zu sein, bedeutet genau dies; Kindern und Jugendlichen ein lebendiges Beispiel dafür zu sein, seinen eigenen Weg gehen zu können – trotz dessen, anders zu sein.

Dadurch auch, dass meine Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland kamen und ich parallel mit zwei Kulturen, Sprachen, Mentalitäten und Religionen aufwuchs, entdeckte ich durch diese unterschiedlichen Puzzleteile meine ganz eigene Identität und weiß, was es bedeutet, Hürden und Barrieren aufgrund von gewissen Stigmata überwinden zu müssen.

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Buntstifter, also Botschafter des Jugendrotkreuzes zu sein, bedeutet genau dies; Kindern und Jugendlichen ein lebendiges Beispiel dafür zu sein, seinen eigenen Weg gehen zu können – trotz dessen, anders zu sein. Ob durch die Hautfarbe, Herkunft, Körperlichkeit oder sexuelle Orientierung. Neulich beim sogenannten Buntstifter-Kongress in Berlin kamen etwa türkisch-stämmige Jugendliche oder taube Teilnehmer auf mich zu und meinten, wie “toll sie das finden, was ich mache. Respect!!!”. (grinst) Das bestätigt mich in dem, ein Beispiel dafür zu sein, wie bereichernd es sein kann, ganz unterschiedliche Facetten in sich zu vereinen – für einen selbst, wie aber auch für andere. – Anmerkung der Redaktion: Buntstifter Grußwort von Erwin Aljukic

Norman Habenicht: Du hast einen Kater mit dem Namen Milan. Was können wir Menschen von den Tieren deiner Meinung nach lernen?

Erwin Aljukic: Wenn Milan sich in der Sonne putzt, ist er nur damit beschäftigt – ist im Hier und Jetzt. Wenn ich ihn am Bauch kraule, hat er vollkommenes Vertrauen oder wenn ich aus dem Haus gehe, dass ich wieder zurück komme. Tiere leben uns Verhaltensweisen vor, die wir jeder in uns haben, jedoch verlernt haben, darauf zu hören – jedoch uns in Kontakt mit ihnen immer wieder daran erinnern können. Letztlich, wenn man sein Haustier mit der Zeit so gut versteht – und das tun sehr viele Haustierbesitzer im Allgemeinen ganz bestimmt – erkennt man, wie viel an Gefühlen und Emotionen in ihnen steckt. Für mich dadurch, wie ganz von alleine, entwickelte sich ein hochgradig anderer Umgang und ein anderes Bewusstsein für Tiere. Ich sag immer: ich kann doch nicht meine Katze verwöhnen und verhätscheln, mir dann aber ein Putenschnitzel aus der Massentierhaltung für wenige Euro aus dem Supermarktdiscounter in die Pfanne hauen…

Bitte vervollständige folgende Sätze:

Facebook ist für mich… eine optimale Werbeplattform.

An einem perfekten Samstag… ist das perfekt, was gerade in dem Moment perfekt für mich ist.

Der schönste Ort an dem ich je gewesen bin… kann jeder Ort sein, wenn Du ihn bewusst wahrnimmst. Du kannst am weißen Sandstrand in der Karibik liegen – wenn Du nicht gelernt hast, im Hier und Jetzt zu sein, wirst Du nichts davon haben. Im Gegensatz dazu; wenn ich auf meiner Couch mit Milan bin, kann mir oft alles andere gestohlen bleiben…

Mein größtes Hobby… hatte man so was nicht mal in der Kindheit?!?! Mein Hobby in der Kindheit war Blockflöte spielen. (grinst)

Was ich gar nicht mag… Engstirnigkeit, Unreflektiertheit – dazu gehört Herdentrieb – und Routine.

strich

Mehr zu Erwin Aljukic im Internet:

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strich
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