Bei der Playboy-Anfrage landete fast der Kaffee auf dem Laptop

Janni Hönscheid Beach

Kurzinfo Janni Hönscheid

Surfer sind ein Völkchen für sich sagt man. Dass es sich hierbei aber um ein ausgesprochen sympathisches Volk handelt, beweist Janni Hönscheid im folgenden Interview. Hier gewährt die aktuelle Deutsche Meisterin einen Blick auf ihre zauberhafte Persönlichkeit und spricht über ihr Fotoshooting für den Playboy, ihren tollsten Moment auf dem Surfboard und was sie von den sogenannten Contest-Surfern unterscheidet.

Das Interview

© Sacha Hoechstetter / Playboy

© Sacha Hoechstetter / Playboy

Norman Habenicht: Hi Janni! Ich freue mich, dass ich dich so kurz vor dem Urlaub noch erreiche.

Janni Hönscheid: Ich bin ja schon da! Bin gerade auf den Malediven – ich warte gerade noch auf mein Boot. Dort werde ich die nächsten 10 Tage mit ein paar richtig guten Surfern von Welle zu Welle fahren und hoffentlich ganz tolle Bilder bekommen.

Norman Habenicht: Du zierst das Playboy-Cover der aktuellen Ausgabe. Was hat sich seit dem für dich verändert? Rennen dir die Fans jetzt die Facebook-Seite ein?

Janni Hönscheid: Um ehrlich zu sein, hätte ich nie gedacht das es so eine Riesen Sache wird, meine Fotos sind ja wirklich überall und ich habe bisher super Feedback bekommen. Da sind zum Teil wirklich total liebe Mails dabei, und es macht mich so stolz, wenn mir Leute schreiben die ich mit meiner Story, Bildern inspirieren konnte. Mir schreiben wirklich die unterschiedlichsten Menschen. Es ist eine wirkliche Erleichterung, dass die Bilder genau so rüberkommen, wie ich es mir vorgestellt hatte – vielfältig und mit Tiefe.

Als ich mit ca. 8 Jahren dann meine erste Welle erwischte, gehörte das Gefühl für mich so dazu wie die Luft zum atmen.

Norman Habenicht: Du bist die beste Surferin Deutschlands. Wann hast du die Liebe zu diesem Sport entdeckt?

Janni Hönscheid: Die Liebe für den Sport wurde mir auf jeden Fall in die Wiege gelegt. Mein Vater war früher Profi Windsurfer und reiste mit meiner Mutter und zwei älteren Schwestern um die Welt. Ich bin auf Fuerteventura am Strand aufgewachsen und surfen war wirklich alles, der ganze Tagesablauf richtete sich nach den Wellen. Als ich mit ca. 8 Jahren dann meine erste Welle erwischte, gehörte das Gefühl für mich so dazu wie die Luft zum atmen. Ich fühle mich im Meer einfach total wohl. Und ich denke ein großer Teil davon wird wohl auch immer die Verbindung zu meiner Familie sein. Egal wo ich auf der Welt bin, ich fühle mich so überall zuhause, wie meine Mama immer zu mir bei Abschieden sagt: wir sind alle im gleichen Meer. Das macht es für mich immer leichter.

Norman Habenicht: Surfen ist nicht nur ein Sport, sondern auch Lebensgefühl. Kann man dieses Gefühl auch noch aufrecht erhalten, wenn man so viel trainieren muss wie du?

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Janni Hönscheid: Für mich steht eigentlich immer das Gefühl an erster Stelle, egal in welchem Bereich im Leben. Ich bin ein total naturbewusster Mensch und gehe meinen Intuitionen nach. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich nicht so viele Meisterschaften mitmache, sondern mich eher als Soulsurferin beschreiben würde. Es geht mir darum, viel zu lernen und viel mitzunehmen. Das kann ich bei meinen ganzen Reisen und Jobs am besten tun, da du dich immer neuen Herausforderungen stellst und alles in deinem Style umsetzt.

Beim Contest-Surfen werden da wiederum ganz spezifische Dinge von einem verlangt, du musst den Sport mit einer ganz anderen Intensität angehen, und eigentlich mit einer komplett anderen Einstellung aufwachsen. Die meisten weltbesten Surferinnen wurden schon aufs Board gestellt, bevor sie überhaupt laufen konnten, und es war praktisch schon bestimmt, dass sie ein Champion werden. Sprich: sie haben gleich Video-Analysen, Trainer, eine bestimmte Ernährung, fahren jedes Wochenende zu einem Contest und haben oft Eltern, die ihnen ziemlichen Druck machen. Zudem wachsen sie meist in Australien, Hawaii oder Kalifornien auf, wo das Level enorm hoch ist, und jeder pusht sich gegenseitig.

Der Vorteil ist für mich, dass die Liebe im Vordergrund steht und ich so wohl nie den Spaß am surfen verlieren werde. Der Nachteil ist, dass ich wohl nicht Weltmeisterin werden würde, was mich allerdings auch nicht wirklich interessiert.

Wo ich aufgewachsen bin, war ich eigentlich immer das einzige junge Mädchen auf dem Wasser, und ich habe einfach gelernt das Meer und den Sport zu lieben. Es war dort so ruhig, keiner würde dich filmen oder Druck machen, oft gehe ich an Plätze wo ich ganz alleine surfe. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist für mich, dass die Liebe im Vordergrund steht und ich so wohl nie den Spaß am surfen verlieren werde. Der Nachteil ist, dass ich wohl nicht Weltmeisterin werden würde, was mich allerdings auch nicht wirklich interessiert. Es ist ein tolles Gefühl momentan Deutsche Meisterin zu sein, gerade da das level des deutschen Surfens zur Zeit echt sehr hoch ist. Aber für mich ist das Wichtigste, mich Herausforderungen zu stellen in den nicht andere, sondern ich selbst meine größte Konkurrentin bin. Dazu wäre surfen auch einfach zu unbeständig. Es gewinnt nicht immer der Bessere, die Bedingungen sind jede Sekunde verschieden. Mal gewinnst du, und oft verlierst du. Das kann schnell frustrierend werden und unheimlich viel Geld kosten, wenn du beim Contest-Surfen an die Weltspitze kommen möchtest.

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Norman Habenicht: Wie sieht bei dir eine ganz normale Woche aus? Falls man bei dir überhaupt von „normal“ sprechen kann.

Janni Hönscheid: Momentan ist mein Leben wirklich das komplette Gegenteil von normal und ich könnte eine Woche nicht wirklich beschreiben. Ich habe gerade diesen Sommer wirklich so viele Dinge erlebt, die verschiedener nicht sein könnten. Da ich mich momentan auch noch immer selbst manage, ist es ziemlich aufregend. Ich weiß nie was auf mich zukommt, wenn ich meine Mails checke. Die Anfrage für das Playboy-Shooting habe ich damals auch selbst bekommen – da hätte ich morgens fast den Kaffee über meinen Laptop geschüttet! Ich kann jetzt nicht wirklich alle Jobs aufzählen, die ich in letzter Zeit gemacht habe. Ich glaube da würde mir etwas schwindelig werden. Das letzte Event auf dem ich war hat sich kurzfristig ergeben, als ich gerade in Frankfurt war vor meinem Abflug. Da war ich bei Kick für Kinder, einem Charity-Fußball-Spiel, wo ganz viele Promis mitmachen für einen guten Zweck. Das war total aufregend und ich durfte sogar den Anstoß des Spiels machen und Sebastian Vettel den Ball zuspielen. Voll die Ehre! Ich meine, wie oft kommt man als Surferin schon dazu einem Formel 1 Champion einen Fußball zuzuspielen? (lacht)

Bitte vervollständige folgende Sätze:

Der schönste Ort auf Erden… ist für mich in meinem Kopf, da habe ich nämlich die besten Erinnerungen von ganz vielen der schönsten Plätze wo ich je war, und ich könnte mich für einen nicht entscheiden. Außerdem ist Schönheit auch eine Einstellung – jeder Ort kann der schönste deines Lebens sein, je nach dem was du dort erlebst, mit wem du zusammen bist, in welcher Lebensphase du dich befindest…

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Um den Surfsport in Deutschland noch populärer zu machen, würde ich… glaube das habe ich mit meinem Playboy-Cover bereits erledigt. (lacht) Aber ich will natürlich noch ganz viel mehr machen, und ganz viele Leute dazu motivieren, mal aufs Board zu steigen, eventuell im nächsten See mal Stand up paddeln auszuprobieren, oder auch einen anderen Sport anzufangen. Einfach den Moment zu genießen und eine positive Einstellung zu haben. Ich werde dieses Jahr im Dezember übrigens wieder mit meiner Schwester zusammen beim Robinson Club in Agadir ein Camp machen, wo wir Leuten das Surfen beibringen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn du die Freude in den Augen von jemandem siehst, der gerade zum ersten Mal auf dem Board steht und eine Welle langfährt – das ist wirklich ansteckend! (grinst)

Ein besonders toller Moment auf dem Surfboard war… auf Lobos, Fuerteventura, auf meinem Longboard. Es ist eine kleine Insel, wo man mit dem Schlauchboot hinfahren muss. Die Wellen waren absolut perfekt und mein Vater und ich waren komplett alleine draußen. Ich lief gerade auf die Spitze meines Boards und mein Vater paddelte gerade in dem Moment vorbei und jubelte mir zu. Es ist so schön, solche Momente zu teilen!

In 10 Jahren möchte ich… eigentlich genau das machen was ich zur Zeit schon tue. Ich will ganz viel erlebt haben. Ich will, dass meine Familie und Freunde alle gesund und glücklich sind, dass auf der Welt nicht mehr so viele Menschen hungern müssen. Und vor allem hoffe ich, mit Stolz auf den freien Horizont vor Fuerteventura zu schauen, und stolz zu sein, dass wir hoffentlich die riskanten Pläne der Ölbohrungsinseln vor den Kanaren, die gerade im Umlauf sind stoppen konnten. (savecanarias.org) Ich hoffe darauf, ganz viele tolle Modeljobs gemacht zu haben, und möchte das Gefühl haben, am Leben nichts auszulassen. Ich will meinem Tattoo auf der Schulter, das ich für einen sehr guten Freund gemacht habe, der beim surfen ums leben kam, hoffentlich alle ehre machen: Pura Vida!

Jemandem der noch nie auf einem Surfboard gestanden hat, beschreibe ich diesen Sport… als ein Gefühl von Freiheit, in dem alles was zählt dieser einzige Moment ist. Keine Vergangenheit, keine Zukunft, nur jetzt. Ich glaube das ist der Schlüssel zum Glück.

strich

Mehr zu Janni Hönscheid im Internet:

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Offizielle Webseite

strich
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