Seine Geographie-Lehrerin brachte ihn zum Wetter

Karsten Schwanke Anzug lachend

Kurzinfo Karsten Schwanke

Ab 1995 arbeitete er in der Firma Meteomedia AG von Jörg Kachelmann und moderierte Das Wetter im Ersten und ab 1996 Das Wetter im ARD-Morgenmagazin. Von 1996-2001 moderierte er als erste Sendung ohne Wetterbezug die Tiersendung für Kinder Chamäleon und 1999-2003 auch die ARD-Wissenschaftssendung Kopfball sowie weitere Wissenschaftssendungen. Im Jahr 2006 wechselte Karsten Schwanke zum ZDF, wo er bis zum 4. Mai 2011 das Wissensmagazin “Abenteuer Wissen” präsentierte, das an diesem Tag zum letzten Mal ausgestrahlt wurde. Im Januar 2010 erhielt die Sendung die Goldene Kamera als “Beste Information Wissensmagazine”. Seit Herbst 2011 moderiert er wieder “Das Wetter im Ersten”.

Das Interview

© EXCENTRIC / Peter Christian Blum

© EXCENTRIC / Peter Christian Blum

Norman Habenicht: Hi Karsten! Gut, dass ich dich gerade vor der Flinte habe. Am 21. Juni ist Sommeranfang – was für einen Sommer werden wir deiner Einschätzung nach bekommen?

Karsten Schwanke: Keine Ahnung. Wirklich! Es gibt zwar einige Kollegen, die das schon vor zwei Monaten zu wissen glaubten – aber die verdienen nicht wirklich die Bezeichnung “Meteorologe”. Dann hätte ich heute Morgen auch den Kaffeesatz lesen können.

Norman Habenicht: Du moderierst regelmäßig “Das Wetter im Ersten”. Wie viel ist bei einem solchen Einsatz “Fachwissen” und was für einen Teil nimmt das Element “Show” ein?

Ich habe nichts von der besten Prognose, wenn die Sprache so hölzern ist, dass niemand weiß, wie morgen das Wetter wird.

Karsten Schwanke: In der ganzen Vorbereitung steckt jede Menge Fachwissen. Denn das, was ich da präsentiere, ist meine Vorhersage. Ich ringe bis zur letzten Sekunde vor der Sendung um die genaueste Vorhersage. Bei der Präsentation vor der Kamera kommt es allerdings mehr darauf an, dieses Wissen so zu erzählen, dass es möglichst viele Zuschauer begreifen. Ich habe nichts von der besten Prognose, wenn die Sprache so hölzern ist, dass niemand weiß, wie morgen das Wetter wird.

Norman Habenicht: Worin siehst Du die Bedeutung von Social-Media in Wetterberichten?

Karsten Schwanke: Bestes Beispiel: Die Unwetter in NRW am Pfingstmontag. Die Leute waren draußen, trafen sich zum Grillen, sie waren unterwegs und saßen nicht vor dem Fernseher. Dann wird Twitter enorm wichtig: Hier konnte man schnell und direkt warnen und sehr viele Menschen erreichen. Ich habe von 19 Uhr bis nachts um 2 das Wetter verfolgt und ständig auf die Unwetter hingewiesen. Diese Verbreitung erreicht man nicht mit old-school-Internetseiten, sondern vor allem über die sozialen Netzwerke.

Norman Habenicht: Hand auf’s Herz – für wie viele Tage im Voraus kann man als Wetter-Experte eine seriöse Vorhersage machen? Oder anders gefragt: Warum kommt es immer wieder vor, dass trotz modernster Technologien die Vorhersagen oftmals nicht eintreten?

© EXCENTRIC / Peter Christian Blum

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Karsten Schwanke: Das hängt ein bisschen von der Wetterlage ab. Große Wetterumschwünge kann man durchaus 10 Tage im Vorfeld erkennen. Die Wettermodelle haben sich in der Hinsicht in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. In der Realität würde ich aber nie weiter als 7…8 Tage nach vorne schauen. Sonst müsste ich in 90 Prozent der Fälle am nächsten Tag meine Vorhersage revidieren. Manchmal wissen wir auch drei Tage im Voraus nicht, wie das Wetter wird. Es ist halt hochgradig nichtlinear – und deshalb so schön spannend.

Über Schnee habe ich mich schon als Baby gefreut…

Norman Habenicht: Wie bist du zur Meteorologie gekommen? Geht das schon als kleiner Junge los?

Karsten Schwanke: Über Schnee habe ich mich schon als Baby gefreut… (lacht) Aber ganz ehrlich: Meine Geographielehrerin in der 11. Klasse brachte mich auf den Gedanken, als sie eines Tages mit echten Satellitenfotos ankam: Schwarzweißfotos auf Fotopapier entwickelt. Das hat mich fasziniert!

Bitte vervollständige folgende Sätze:

Meine liebste Jahreszeit… ist der Winter? Wenn es schneit! Aber schön sind sie doch alle.

Um die Erde vor einem noch größeren Schaden zu bewahren… müssten wir so radikal umsteuern, dass es durchaus auch wehtut.

Mein Lieblingsfach in der Schule… Mathematik und Geographie.

In den Urlaub fahre ich am liebsten… in die Berge zum Skifahren. Oder ans Meer zum Segeln.

Das reizvollste am Fernsehen ist… dass ich live erzählen kann, wie jetzt das Wetter ist. Internet-Wettervideos funktionieren deshalb nicht, weil sie schon nach einer Minute veraltet sind – sie aber noch Stunden und Tage zu sehen sind.

strich

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