Olympiasieger mit Blick über den Tellerrand hinaus

Robert Harting Cover

Kurzinfo Robert Harting

Er ist eines der wichtigsten Aushängeschilder der deutschen Leichtathletik. Seit Jahren mischt er ganz oben in der Weltelite der Diskuswerfer mit und hat nach wie vor große Ziele vor Augen. Sein Markenzeichen: Das Zerreißen seines Trikots nach einem gelungenen Wettkampf. Doch hinter dem erfolgreichen Sportler steckt auch ein kluger Kopf, mit dem ich im folgenden Interview über die Faszination Olympia und noch vieles mehr sprechen durfte.

Das Interview

Norman Habenicht: Hi Robert! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein kurzes Interview genommen hast. Momentan laufen die Vorbereitungen auf die EM auf Hochtouren, und auch dein Studium steht kurz vor dem Abschluss. Wie viel Privatleben bleibt da noch übrig?

© André Zehetbauer / Wikipedia  ISTAF Berlin 2012

© André Zehetbauer / Wikipedia
ISTAF Berlin 2012

Robert Harting: Na ja, Privatleben und Berufsleben ist nicht zu trennen. Zum einen durch die öffentliche Person, die ich ja bin, zum anderen die Tatsache, dass ich als Sportler 24/7 lebe. Eine Stunde in der Sonne liegen würde ergo heißen: keine schnelle Muskulatur! Also macht man es nicht…

Natürlich gibt es massive Unterschiede zu anderen Sportarten wie Fussball, Basketball etc.

Norman Habenicht: Als Diskuswerfer wird man auch in der absoluten Weltspitze im Verhältnis zu anderen Spitzensportlern monetär zu wenig entlohnt, wenn man den enormen Trainingsaufwand betrachtet. Hast du schon mal gedacht: “Komm… lasst mich doch alle in Ruhe, ich tue mir das nicht mehr an.”?

Robert Harting: In der Regel dachte ich genauso jeden Tag – vor meinem Olympiasieg. Dieser Abend entlohnt für die Mühen und Qualen. Klar, er ändert nicht die Dramaturgie der gegenwärtigen Wirtschaftlslage in der man steckt, aber dieser Moment gibt Kraft und sagt Danke. Natürlich gibt es massive Unterschiede zu anderen Sportarten wie Fussball, Basketball etc. Diese Unterschiede gibt es aber auch nach unten. Vergleicht man den Deutschen Meister im Judo und Ringen mit dem der Leichtathletik, gibt es ja auch schon Unterschiede. Die Verhältnisse spalten sich aber IMMER mit dem jeweiligen Inhalt, den die Sportart und der Sportler zu bieten hat. Es liegt also auch an uns selbst, dafür zu kämpfen und zu überzeugen.

Wer gibt schon gerne Kontrolle ab? Angst ist der Treiber der Menschheit.

© Berend Stettler / Wikipedia

© Berend Stettler / Wikipedia

Norman Habenicht: Noch mal zurück zum Thema Geld. Du hast die Idee von einer “Sportlotterie” ins Gespräch gebracht. Wie sieht es da aktuell mit der Umsetzung aus? Es gab ja zwischendurch ziemlichen Gegenwind…

Robert Harting: Leider ja! Wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen, emotional nicht nachvollziehbar. Wer gibt schon gerne Kontrolle ab? Angst ist der Treiber der Menschheit. Aber über Soziologie solltest du mit Herrn Dr. Vesper reden, der hat schließlich in Soziologie promoviert. Es sieht just Datum heute nicht schlecht aus. Wir schauen frohen Mutes zum Horizont. Wir sind Pioniere und haben alles gegeben. Am 3. Juli wird dann über die Vergabe einer deutschen Spiellizenz entschieden.

Norman Habenicht: Die beeindruckenden Bilder vom Gewinn der Olympischen Goldmedaille sind um die Welt gegangen. Versuche bitte mal einem Unwissenden, die Faszination Olympia mit nur drei Sätzen zu beschreiben.

Robert Harting: Olympia ist der epische Vergleich aller Rassen und deren Länder der Erde in Sportarten, die unsere Evolution gleichermaßen repräsentieren. Der Mensch und die Hindernisse.

© Moritz Kosinsky / Wikipedia  Medientag am 23. Juli 2013 im Bundesleistungszentrum Kienbaum

© Moritz Kosinsky / Wikipedia
Medientag am 23. Juli 2013 im
Bundesleistungszentrum Kienbaum

Norman Habenicht: Du hast Ende des vergangenen Jahres den Trainer gewechselt. Was macht er besser, um dich optimal auf deine neuen Ziele vorzubereiten? Wirst du auch bei Olympia 2016 noch zur Weltelite gehören, oder rüttelt der Nachwuchs schon jetzt an deinem Thron?

Robert Harting: Welcher Thron? Ich halte davon nichts. Wir kämpfen alle hart auf einem engen Niveau. Der Kopf entscheidet meistens nur darüber, wer besser ist. Nachwuchs hat es in einer der ältesten Disziplinen der Welt schwer. Erfahrung und das Beherrschen der Physik erlangt man eben nicht mit Talent. Dafür Bedarf es Disziplin, Kampfgeist und Glück. Die ersten beiden setzen ein hohe Leidensfähigkeit voraus.

Bitte vervollständige folgende Sätze:

Zum Diskuswerfen bin ich gekommen… nach dem Mehrkampf. Das sind zwei Jahre generische Leichtathletik im Alter von 12 bis 14 Jahren.

Fußball ist für mich… die Perfektion des Wirtschaftswunders im Sport.

Nach meiner Karriere möchte ich gerne… glücklich ein Unternehmen führen, und leben können.

Die Idee mein Trikot zu zerreißen… kam mir nach meiner Silbermedaille in Osaka 2007.

Pures Glück bedeutet für mich… das zu finden was man kann und darin besser zu sein, als der Rest der Welt.

strich

Mehr zu Robert Harting im Internet:
Offizielle Webseite
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strich
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