Als ihm Thomas Helmer im Siegestaumel das Handy klaute

Christian Ortlepp Cover

Kurzinfo Christian Ortlepp

Er ist Dauergast beim FC Bayern München. Sobald sich irgendetwas rund um den deutschen Rekordmeister ereignet, ist er schon mittendrin. Christian Ortlepp ist für den TV-Sender Sport1 als Chefreporter direkt vor Ort und berichtet über die kleinen und großen Storys an der Säbener Straße. Im folgenden Interview erfahrt ihr alles über einen bemerkenswerten Handyklau von Thomas Helmer, den Ritterschlag durch Uli Hoeneß und sein “Baby”…

Das Interview

Norman Habenicht: Hi Christian! Fußball-Interessierte kennen dich von Sport1 als den Mann, der am FC Bayern München so nah dran ist, wie kein anderer Journalist. Wie hat sich diese exklusive Position eigentlich ergeben?

Matthias Sammer, Christian Ortlepp

Matthias Sammer, Christian Ortlepp

Christian Ortlepp: Mein Credo ist und wird immer sein, 100 Prozent für den Sender, für den ich vor Ort bin, alles zu geben. Das war für Radio Gong 96,3 und Premiere so. Und ist es jetzt seit Jahren für Sport1. Ob ich eine exklusive Position habe, oder so nah dran bin, sollen andere beurteilen.

Uli Hoeneß hat einmal zu mir gesagt: “Herr Ortlepp, wenn ich Sie fünf Mal vor die Türe setze, kommen Sie beim sechsten Mal durch die Hintertüre wieder rein.”

Norman Habenicht: Bei so viel Nähe zu einem Verein, der deiner Karriere ja auch gewissermaßen einen Schub gegeben hat – bleibt da nicht ab und an auch mal die Objektivität auf der Strecke?

Christian Ortlepp: Fairness und Objektivität – das sollte und muss für jeden Journalisten Gesetz Nummer eins sein. Nur ein Beispiel: Beim Champions League Finale 2012 in London habe ich keinen, weder Bayern noch Dortmund-Kollegen, gesehen, der die Medientribüne nach dem jeweiligen Treffer seines Teams auf- und abgetanzt ist. Sicherlich freut man sich, wenn der Klub, den du betreust, erfolgreich ist. Aber: Nicht der berichtende Journalist gewinnt ein Spiel oder holt einen Titel, sondern immer noch der Verein.

Norman Habenicht: Du bist nahezu täglich hautnah an Spielern und Funktionären dran; da spielen sich sicherlich zahlreiche bemerkenswerte Situationen ab. Gab es im Laufe der Jahre eine Begebenheit, die dir besonders positiv in Erinnerung geblieben ist und auf der anderen Seite eine Anekdote, die du lieber aus deinem Gedächtnis streichen würdest?

Christian Ortlepp, Louis van Gaal

Christian Ortlepp, Louis van Gaal

Christian Ortlepp: Uli Hoeneß hat einmal zu mir gesagt: “Herr Ortlepp, wenn ich Sie fünf Mal vor die Türe setze, kommen Sie beim sechsten Mal durch die Hintertüre wieder rein.” Das ist, wenn man Hoeneß Umgang mit uns Kolleginnen und Kollegen kennt, ein Ritterschlag. Unvergessen, als ich noch für Radio Gong 96,3 arbeitete, war, dass mir mein heutiger Sport1-Kollege Thomas Helmer einen der ersten D-Netz-Handykoffer aus der Hand riss, und sich nach dem Uefa-Cup-Sieg 1996 in Bordeaux live aus der Kabine meldete. So hatten wir knapp zehn Minuten alle Spieler inklusive Gesang live on Air. Dann war irgendwann der Akku leer. Anekdoten, ich glaube langsam aber sicher sollte man einmal ein Buch darüber schreiben…

Norman Habenicht: Bei aller Liebe zum Fußball und seinen Protagonisten. Denkst du dir nicht auch manchmal: “Das Thema langweilt mich jetzt allmählich. Lasst mich doch alle in Ruhe.”? Ich erinnere mich da an den vergangenen Sommer, als jede Handbewegung von Pep Guardiola analysiert wurde.

Christian Ortlepp: Unser Beruf ist eine Berufung. Das sollten wir uns immer wieder vor Augen halten. Und in welchem Beruf kommt eigentlich nicht einmal ab und an Langweile auf? Dennoch: Beim FC Bayern ist das Wort “Langweile” oder “Ruhe” im Duden nicht ganz so oft zu finden.

Franz Beckenbauer, Christian Ortlepp, Gerd Müller

Franz Beckenbauer, Christian Ortlepp,
Gerd Müller

Feierabend – was ist das bitteschön im heutigen Sport-Journalismus?

Norman Habenicht: Ich könnte mir vorstellen, dass du auch im Privatleben von Freunden und Bekannten über den FC Bayern ausgefragt wirst. Oder nehmen die meisten da Rücksicht auf deinen verdienten Feierabend?

Christian Ortlepp: Feierabend – was ist das bitteschön im heutigen Sport-Journalismus? Sind wir nicht alle und immer “online”? Zudem habe ich ja vor drei Jahren noch ein Baby bekommen: BFV.TV – Das bayerische Fußballmagazin. Jedes Wochenende berichte ich dort über die Regionalliga Bayern mit allen Spielen und allen Toren.

Bitte vervollständige folgende Sätze:

Eine Bundesliga ohne den FC Bayern… das gab´s doch schon. Bei der Gründung der Bundesliga.

In der fußballfreien Zeit… welche fußballfreie Zeit?

Vereine wie RB Leipzig… lassen den Ost-Fußball wieder aufleben. Was auch dringend notwendig ist! Für die Region und für die fußballbegeisterten Menschen!

Weltmeister 2014… wird Brasilien oder wirklich ein sogenannter Außenseiter. Ich persönlich wünsche Ottmar Hitzfeld einen grandiosen Abschluss seiner beispiellosen Trainer-Karriere.

Wenn ich einen anderen Beruf wählen müsste… dann wäre ich aufgrund meiner Schulnoten wohl Mathematik- und Sportlehrer geworden. Jetzt kommt der Streber durch? (lacht)

strich

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strich
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