Musik-Legende durch ein ungewünschtes Geschenk

Rolf Zuckowski Gitarre

Kurzinfo Rolf Zuckowski

Mit ihm ist in Deutschland so ziemlich jedes Kind groß geworden. Seine Lieder haben sich so sehr im Gedächtnis verankert, dass man die Texte auch heute als Erwachsener noch problemlos mitsingen kann. Rolf Zuckowski ist eine lebende Legende der deutschen Musikgeschichte. Was er in der Gegenwart für den Nachwuchs tut, warum ihm das Wort “Kids” nicht gefällt und durch welchen glücklichen Zufall er überhaupt erst an die Musik herangeführt wurde, erfahrt ihr im folgenden Interview.

Das Interview

© Stefan Malzkorn

© Stefan Malzkorn

Norman Habenicht: Hallo Herr Zuckowski! Wie jedes Kind in Deutschland, bin auch ich mit Ihren tollen Liedern aufgewachsen. Wann wurde Ihnen klar, dass Sie ein herausragendes Gespür dafür haben, Kinderlieder zu komponieren und ebenso gut mit den Kids umzugehen?

Rolf Zuckowski: Ich wurde 1971 Vater, da war ich 24 Jahre alt. Das Spielen und Singen mit meiner Tochter Anuschka war der Anfang dessen, was sich später im Kindergarten (selbst organisiertes “Kinderhaus” in Hamburg) sowie in Schulen und bei allerlei Festlichkeiten weiter entwickelte. Das Wort “Kids” kann ich übrigens nur für größere Kinder akzeptieren, es hat sich als Modewort von Marketingstrategen in unseren Wortschatz eingeschlichen, ursprünglich um die Kinder zu fangen, die gern größer sein würden. Kinder nennen sich nach meiner Erfahrung untereinander nie “Kids”, das sollte zu denken geben. Kind sein und Kindheit sind elementare Lebensabschnitte, die wir mit Modewörtern nicht unreflektiert aushöhlen sollten.

Die Angebote der Unterhaltung und auch in der Pädagogik wurden immer vielfältiger und sind heute kaum noch zu überschauen.

Rolf Zuckowski im Finale der Elbtour 2010 mit vielen Elbkinderland-Chören © Buxtehuder Stieglitze

Rolf Zuckowski im Finale der Elbtour 2010
mit vielen Elbkinderland-Chören

© Buxtehuder Stieglitze

Norman Habenicht: Welche Entwicklung haben Sie im Laufe der Jahrzehnte bei den Kindern festgestellt? Sind die jungen Zuhörer heute anspruchsvoller?

Rolf Zuckowski: Die Angebote der Unterhaltung und auch in der Pädagogik wurden immer vielfältiger und sind heute kaum noch zu überschauen. Kinder sind damit überfordert und müssen gemeinsam mit ihren Eltern oder anderen für sie Verantwortlichen lernen, das für sie Wichtige und Wertvolle heraus zu filtern. Daraus erwächst eine interessierte, aber auch kritische Grundhaltung. Was dabei nicht auf der Strecke bleiben sollte, ist spontane Begeisterungsfähigkeit und das Recht der Kinder auf einen eigenen Geschmack.

Norman Habenicht: Was viele vielleicht noch nicht wissen ist, dass Sie 1983 für Peter Maffay das Konzept-Album “Tabaluga” entworfen haben. Hatten Sie damals schon mit einem solch riesigen Erfolg gerechnet? Haben Sie zu Peter Maffay heute noch Kontakt?

Rolf Zuckowski: Peter Maffay hat bei vielen öffentlichen Gelegenheiten fair und partnerschaftlich darauf hingewiesen, dass Tabaluga im Anfang “Mein Kind” war. Nach der Ur-Idee, die 1983 in meinem Haus an der Elbe entstand, habe ich mit Gregor Rottschalk die “Reise zur Vernunft” geschrieben, Tabalugas erste Reise. Um ihm und den Wesen um ihn herum Gestalt zu geben, hat sich Helme Heine mit seiner großartigen Gabe als Illustrator eingebracht. Alle weiteren Entwicklungen bis hin zu den “Zeichen der Zeit” kommen aus der Power und Begeisterungsfähigkeit von Peter Maffay heraus, dem es mehrfach gelang, ein hochkarätiges Team für neue Alben, Filme und Bühnenshows zusammen zu fügen. Ich bin Peter vor allem durch die Hymne “Ich wollte nie erwachsen” sein verbunden, zu der er die Melodie und ich den Text verfasste. Wir begegnen uns in freundschaftlichem Miteinander vor allem bei gemeinnützigen Anlässen, dann und wann sogar auf der Bühne. Peters “Tabaluga-Kinderstiftung” und meine Stiftung “Kinder brauchen Musik” bauen finanziell und ideell auf dem großen, dauerhaften Erfolg des kleinen Drachens auf, mit dem wir beide bei Tabalugas Geburt nie gerechnet hätten.

Ich lerne selber auch noch viel dazu und fühle mich sehr wohl im Austausch mit der jungen Generation.

Markus Pauli, Lukas Nimscheck, Florian Sump, (Hip-Hop-Trio Deine Freunde) Rolf Zuckowski, Christina Raack, Charlotte Simon und Nina Grätz (Kreativ-Team Eule) © Stefan Malzkorn

Markus Pauli, Lukas Nimscheck, Florian Sump
(Hip-Hop-Trio Deine Freunde), Rolf Zuckowski,
Christina Raack, Charlotte Simon und Nina Grätz (Kreativ-Team “EULE”)

© Stefan Malzkorn

Norman Habenicht: Sie haben vor etwas mehr als einem Jahr Ihren Rückzug von der Bühne bekannt gegeben und konzentrieren sich jetzt ausschließlich auf die Förderung junger Musiker. Wie sieht diese Förderung konkret aus?

Rolf Zuckowski: Mein Abschied galt vor allem dem Tourneegeschäft. Ich bin ehrenamtlich immer noch oft und gern auf der Bühne, um Anlässe und Aktionen zu fördern, die mit wichtig erscheinen. Darüber hinaus bin ich Ansprechpartner für Künstler, die neue Wege suchen, um zeitgemäße Musik an Kinder und Eltern heran zu tragen. Das gelang mir im vergangenen Jahr zunächst mit dem HipHop-Trio “Deine Freunde” – ihr zweites Album “Heile Welt” ist soeben erschienen – und ganz aktuell mit dem Kreativteam “EULE”, drei jungen Frauen, die sich einen “Entdeckerflug” durch die Musikwelt ausgedacht haben. Acht musikalische Genres von Pop bis Klassik werden mit viel Witz und Sachverstand und originellen Illustrationen sehr authentisch an die Kinder herangebracht. Die Eltern lernen dabei sogar auch noch was hinzu. “Eule findet den Beat” ist, ebenso wie “Heile Welt”, auf dem von mir betreuten Universal-Label “noch mal!!!” erschienen. Die Künstler vertrauen sich mir musikalisch, textlich und konzeptionell an, ohne dabei ihre eigene Handschrift zu verwässern. Ich lerne selber auch noch viel dazu und fühle mich sehr wohl im Austausch mit der jungen Generation.

Erscheint 2. Mai 2014

Erscheint 2. Mai 2014

Norman Habenicht: Sie haben in Ihrer langen Karriere so viele Geschichten erlebt. Gibt es eine ganz spezielle, die Sie niemals vergessen werden und von der Sie uns heute erzählen wollen?

Rolf Zuckowski: Ich möchte hier keine einzelne hervorheben, aber Anfang Mai erscheint “Mein Lebensliederbuch” mit zwanzig Liedern für Erwachsene. Da gibt es zu jedem Lied eine Geschichte in einem vielfältig illustrierten Booklet. Eine Anekdote soll an dieser Stelle aber nicht fehlen: Mein Vater schenkte mir, als ich 13 Jahre alt war, überraschend eine Gitarre. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich sie mir gewünscht hätte. Er hatte wohl einen guten Riecher…

Bitte vervollständigen Sie folgende Sätze:

© M. Gamper

© M. Gamper

In ein paar Jahren wird es Kinderlieder… geben wie eh und je. Kinder brauchen Musik und sie werden Lieder, die ihnen Freude machen, immer singen, weil es zu ihrem Lebensgefühl einfach dazu gehört und weil es ihrer Entwicklung gut tut.

Auf einer einsamen Insel bräuchte ich nur… die Gewissheit, nicht lange allein zu bleiben. Am besten würde man mich wieder abholen, bevor die erste Nixe in meiner Fantasie am Strand erscheint.

Ohne Kinder wäre die Welt… heute schon ärmer und sehr bald am Ende, weil die Erwachsenen dann nur noch an sich und ihre eigene kurze Lebensspanne denken.

Die Tatsache, dass ich mit meinen Liedern bei Millionen von Menschen in Erinnerung bleiben werde… ist der kleine Zipfel einer fernen Zukunft der Kinder und jungen Eltern von heute, den ich immer mehr und dankbar spüren darf.

strich

Rolf Zuckowski im Internet:

Link zur offiziellen Webseite
facebook
leiseStärke
Deine Freunde
Eule findet des Beat
Kinderbrauchenmusik

strich
Dir gefällt 5einhalb.de? Folge uns in den sozialen Netzwerken! 5einhalb.de auf Facebook 5einhalb.de auf Google+ RSS Feed abonnieren