Eine Krankheit führte sie auf die Bühne des Glücks

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Kurzinfo Myriam Tancredi

“Ich stürze mich gern in andere Rollen. Das ist meine Lust am Leben und am ausprobieren”, beschreibt Myriam Tancredi ihre Leidenschaft für die Schauspielerei. “Ich kann nicht mehr aufhören! Nie!” Die Halb-Italienerin lacht dabei laut fröhlich–hemmungslos und ihr Lachen ist ansteckend. Dieser Funke springt auch auf der Bühne und vor der Kamera über.

Myriam Tancredi, 1974 in Frankfurt/Main geboren, ist ein Allround-Talent. Sie sagt von sich selbst: “Ich bin der wonnige Widerspruch. Alle Welt ist meine Bühne.” Die 39-Jährige ist voller Leidenschaft und eine Genießerin. Sie liebt das pralle Leben, interessiert sich für verschiedene Dinge. Sie hat viel ausprobiert in ihrem Leben. In zahlreichen Ländern gelebt u.a. in Südafrika und in Australien. Dennoch zog es sie immer wieder auf die Bühne, zum Theater, zur Schauspielerei.

Erst im Alter von 25 Jahren begann sie ihre 3-jährige Schauspielausbildung bei Regisseur und Schauspiellehrer Andreas Walther-Schroth in Frankfurt/Main. Danach folgten TV- und Filmrollen u.a. im ZDF-Film “Blindes Vertrauen” (Regie: Mark Schlichter), in “Mord unter Franken” von Simone Wagner und zuletzt 2013 in “Tridentity”. Darüber hinaus spielte Sie in zahlreichen Unternehmens-Image- und Werbefilmen. Am häufigsten ist der quirlige Lockenkopf jedoch bislang auf der Theaterbühne zu sehen. Seit 2001 ist sie festes Ensemble-Mitglied am Theater “Mitternachtstraum” in Wiesbaden. Zudem brillierte Sie in zahlreichen Kinderstücken des Papageno-Musiktheater im Palmengarten in Frankfurt sowie in einigen Stücken am Volkstheater Frankfurt Liesel Christ.

Dank Ihrer Auslandserfahrungen ist sie eine der wenigen Schauspielerinnen, die auch in englischsprachigen Stücken besetzt wird; wie zuletzt 2013 am Frankfurt English Speaking Theatre als Kate in “Brighton Beach Memoirs” unter der Regie von Lea Dunbar.

Das Interview

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Norman Habenicht: Hi Myriam! Du bist erst ziemlich spät zur Schauspielerei gekommen. Was hattest du vorher für Berufspläne und warum am Ende dann doch der Schritt auf die Bühne?

Myriam Tancredi: Hallo Norman… ach – das Leben ist schon verrückt. Ich wollte seit ich denken kann Schauspielerin werden. Von Klein auf habe ich, wo ich konnte schon mitgewirkt, von Kindergartenaufführungen bis Schulvorstellungen. Aber ich habe den Wunsch diesen Beruf zu erlernen, nie laut ausgesprochen. Als es dann nach dem Abi um die Berufswahl ging, dachte ich mir: Mach erst mal was “Vernünftiges”, wie es meine Eltern gerne zu sagen pflegten, und so fing ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau in einem großen Pharmakonzern an. Natürlich hat das nicht lange gedauert bis ich einen Rappel bekommen habe und eine sinnvollere Tätigkeit gesucht habe. Ich habe dann 2,5 Jahre als Altenpflegerin gearbeitet. Das war eine sehr bereichernde Zeit. Ich habe schon immer gerne im Team gearbeitet und ging oft mit einem guten Gefühl nach Hause, wenn ich mit meiner lebhaften Erzählart die Heimbewohner zum Lachen bringen konnte. Aber meine innere Unruhe und nicht genau zu wissen, welcher Beruf es denn auf Dauer werden sollte, hat mich dann für längere Zeit nach Südafrika geführt. Dort war ich fast ein Jahr und habe mich vom Schmuckverkauf, Glasmalerei, therapeutischem Reiten mit behinderten Kindern oder als Deutschlehrerin finanziert. Wieder in Deutschland suchte ich mir einen Ausbildungsplatz als Floristin, den ich jedoch bereits vor Beginn wieder gecancelt habe. Stattdessen hab ich dann erst mal viel als Kellnerin, als Sekretärin, als Schmuckdesignerin, als Altenpflegerin, als Studentin der Sozialarbeit, als Schuhverkäuferin in einem großen Outdoorladen und als Lufthansa-Mitarbeiterin mein Glück versucht. Ich bin offensichtlich ein Mensch, der das Wahrhaftige sucht. Ich war die ganzen Jahre schon immer fasziniert von Theater und Film und habe mir wahnsinng viel angeschaut, sei es in Deutschland oder im Ausland. Da habe ich gemerkt: Da gehöre ich hin! Und dass ich gerne ein Teil davon wäre. Als ich wieder mal den Rappel bekam und ich in Deutschland alles gekündigt hatte, um mich auf eine große Weltreise zu begeben, kam ich jedoch nicht weit. Ich wurde in Mexiko krank und musste nach nur 2 Wochen wieder nach Hause fliegen. Vielleicht Glück im Unglück, denn wie es der Zufall wollte, las ich dann in einer Zeitung die Anzeigen zweier Theater für zwei Vorsprechen. Ich bin einfach hingefahren und wurde sofort bei beiden genommen. Seitdem bin ich Schauspielerin und mein Kindheitstraum fing endlich an wahr zu werden.

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Die verschiedenen Berufe mit den unterschiedlichen Menschen und Situationen, die exotischen Länder mit Ihren Kulturen, das lässt einen ziemlich reifen.

Norman Habenicht: Wo glaubst du liegen die Vorteile und wo die Nachteile für deinen Seiteneinstieg in den Beruf?

Myriam Tancredi: Die Vorteile liegen für mich eindeutig darin, dass ich bereits wahnsinnig viel erlebt habe und das hilft mir oft in der Rollenfindung. Die verschiedenen Berufe mit den unterschiedlichen Menschen und Situationen, die exotischen Länder mit Ihren Kulturen, das lässt einen ziemlich reifen. Das sind Erfahrungen, die ich nicht missen will und in mein Schauspiel einfließen. Nachteile gibt es für mich nicht wirklich, im Gegenteil, ich bin froh, dass ich auch in anderen Bereichen gearbeitet habe, das gibt mir als Schauspielerin auch eine gewisse finanzielle Sicherheit, falls mal die Rollen ausbleiben sollten.

Norman Habenicht: Du hast schon in vielen Ländern gelebt. Wo hat es dir bislang am besten gefallen und warum?

Myriam Tancredi: Nach wie vor liebe ich Südafrika. Die Menschen, die Natur und die Kreativität. Es ist bemerkenswert, was sich die Leute dort immer wieder einfallen lassen, um Geld zu verdienen. Die Lebensfreude steckt einen dort einfach an und nicht zuletzt das Rythmusgefühl beim Tanz. Ich liebe Tanzen und Musik. Diese Erfahrung ist auch schon das ein oder andere Mal in meinen Theaterprojekten mit eingeflossen.

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Norman Habenicht: Ein amerikanischer Freund sagte mir mal: “Never date a girl who travels!”. Was hältst du von dieser Warnung vor reiselustigen Frauen?

Myriam Tancredi: Ach, ja? Den Satz habe ich noch nie gehört und ich kann mir nur vorstellen, dass dein amerikanischer Freund mit einer Globetrotterin mal schlechte Erfahrungen gemacht hat. Armer Kerl! Vielleicht ist es aber auch seine Erkenntnis, dass reiselustige Menschen neugierig und offen sind, viel von der Welt gesehen haben und sich deshalb selten mit etwas Durchschnittlichem zufrieden geben.

Es ist doch schön, dass wir alle so unterschiedlich sind, mein Gott – wie langweilig wäre eine Welt, in der jede Frau dieselben Gesichtsformen hätte.

Norman Habenicht: Ein viel diskutiertes Thema in deiner Branche: Schönheits-Operationen. Wäre das eine Option für dich, um – provokativ gesprochen – deine Halbwertszeit als Schauspielrein zu verlängern?

Myriam Tancredi: Davon halte ich ziemlich wenig. Aber ich bin der Meinung, dass das jede Frau für sich selbst wissen muss und ich würde deshalb nie jemanden dafür verurteilen. Es ist doch schön, dass wir alle so unterschiedlich sind, mein Gott – wie langweilig wäre eine Welt, in der jede Frau dieselben Gesichtsformen hätte. Und ich glaube nicht, dass das Rollenangebot dadurch erheblich größer wird.

Bitte vervollständige folgende Sätze:

Wenn ich auf der Bühne stehe, habe ich am meisten Angst… dass das jemals aufhören könnte. Denn ich gehöre auf die Bühne, vor die Kamera!

Der beste Ort zum Leben ist… wo Menschen gerne lachen und das am liebsten in einem warmen Land, wo die Sonne scheint.

Pferde sind für mich… wundervolle intelligente Tiere, die Kindheitserinnerungen wecken und in deren Nähe ich glücklich bin

Der Schauspielkollege, mit dem ich am liebsten mal ein Abendessen verbringen würde… Kevin Costner oder Wotan Wilke Möhring, den durfte ich bei einem Dreh mal kennenlernen. Da hat es aber nicht zum Abendessen gereicht. Besonders gern würde ich aber einmal mit Regisseur Christian Petzold speisen. Seine Filme faszinieren mich sehr.

Meine absolute Traumrolle wäre… Maggie Pollitt aus „Die Katze auf dem heissen Blechdach“.

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Mehr Infos zu Myriam Tancredi:

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2 Gedanken zu „Eine Krankheit führte sie auf die Bühne des Glücks

  1. wow – super sympathisch diese Frau!
    Wann sieht man sie endlich mal im TV ?
    über solche Charakter-Gesicher, auch bei Frauen, würde ich mich sehr freuen.

    1. Auch ich würde mich sehr darüber freuen, diese charismatische Frau im TV zu sehen.
      Ich kenne Myriam seit ihrer Geburt – sie ist meine Cousine :-)

Kommentare sind geschlossen.