Ein Kreuzbandriss wurde für sie zum Glücksfall

Birgit Nössing Cover

Kurzinfo Birgit Nössing

Von Südtirol über Washington und Berlin ist die hübsche Italienerin in München gelandet. Täglich bringt sie die Nachrichten von Sky Sport News HD in unsere Wohnzimmer und besticht dabei durch ihren Charme und ihre Lockerheit. Dass sie am Anfang ihrer Karriere alles andere als cool war, warum sie es als Skifahrerin nicht ganz zu den Olympischen Spielen geschafft hat und wen sie bewundert, erfahrt ihr im folgenden Interview.

Das Interview

© Stephanie Wiegand

© Stephanie Wiegand

Norman Habenicht: Hi Birgit! Als Moderatorin von Sky Sport News HD verkündest du täglich Unmengen an Informationen rund um den Sport. Bist du mittlerweile ein wandelnder Almanach oder bleiben die Informationen nur kurze Zeit hängen?

Birgit Nössing: Eher ein sitzender Almanach. Ich sende täglich viereinhalb Stunden live. Da kommen manchmal ganz schön viele Informationen zusammen. Die Kunst ist es zu verhindern, dass aus den Unmengen kein Unsinn wird. Es ist immer eine Frage der körperlichen Form. An manchen Tagen ist der Kopf fit und es kommt alles automatisch, als ob man ein Elefantengedächtnis hätte. Wenn man aber müde ist, muss man sehr vorsichtig sein, dass sich Jürgen nicht in Joachim Klopp verwandelt.

Norman Habenicht: Was gefällt dir an deinem Job am meisten? Du drehst ja zusätzlich auch Beiträge außerhalb des Studios…

Birgit Nössing: Das Schöne ist, jeder Arbeitstag ist wie ein Überraschungsei. Ich habe schon erlebt, dass ich mit einem sehr entspannten Gefühl morgens um halb 4 – ja, so früh geht’s bei uns los – (lacht) in die Redaktion gefahren bin und dann kam alles anders. Da fällt mir zum Beispiel der Terroranschlag auf den Boston Marathon im April 2013 ein. Wenn plötzlich der Körper in den Turbogang springt, der Puls rast, das Adrenalin steigt und die Morgenmüdigkeit sekundenschnell verfliegt. Dann bleibt uns nur wenig Zeit für die Recherche und wir müssen pünktlich zum Sendebeginn um 7 Uhr alle relevanten Informationen haben. Jeder Tag als Fernsehjournalistin ist anders und überhaupt nicht planbar. Genau das finde ich toll.

Das Schöne ist, jeder Arbeitstag ist wie ein Überraschungsei.

Norman Habenicht: Du hast für Sat1 auch schon in Washington gearbeitet. Liegt dir das Leben der Amerikaner oder gehörst du zu den Kritikern der vermeintlich etwas oberflächlicheren Lebensweise?

Birgit Nössing: Ich fand sie null oberflächlich, also zumindest nicht jene Amerikaner, die ich kennengelernt habe. Das lag aber vor allem am Zeitpunkt. Ich war in Washington, als Barack Obama zum ersten Mal die Wahl gewonnen hatte. Das ganze Land befand sich in einer unglaublich ansteckenden Aufbruchstimmung. Wildfremde Menschen, alte, junge, schwarze, weiße, Anzugträger und Obdachlose, lagen sich vor dem Weißen Haus in den Armen. Das war einer der emotionalsten Momente meines Lebens. Abgesehen davon haben die Menschen dort einen sehr interessierten Eindruck auf mich gemacht. Jeder wollte wissen, warum ich als Italienerin so gut Deutsch könne, aber eigentlich wie eine Französin aussehe. Dann gab es immer ein kleines Europakunde-Referat und alle waren happy.

Norman Habenicht: Das Rampenlicht ist nicht Jedermanns Sache. Wann wurde dir bewusst, dass du im Berufsleben am liebsten vor der Kamera stehst?

Birgit Nössing: Tja, diese Erkenntnis war für mich eine kleine Schwergeburt. Ich war seit meinem Studium davon überzeugt, dass Fernsehen das spannendste aller Medien ist. Starke Bilder rufen starke Emotionen hervor und können manchmal etwas bewegen. Dann kam der Moment, als ich für N24 meine erste Live-Schalte als Reporterin machen sollte und das hat sich gar nicht gut angefühlt: Ich habe gezittert, geschwitzt, gestammelt und wollte eigentlich nur noch weg. Aber dann sagte mein damaliger Chef: „Hey, gar nicht so schlecht“, was für mich ein riesengroßes Kompliment war und mittlerweile vergesse ich sogar manchmal, dass das Rotlicht an ist.

© Sky

© Sky

Ich habe gezittert, geschwitzt, gestammelt und wollte eigentlich nur noch weg.

Norman Habenicht: Theoretisch kann man sportlicher wohl kaum sein als du. Aber wie sieht es eigentlich in der Praxis bei dir aus? Wie hältst du dich am liebsten fit?

Birgit Nössing: Mein Fitness-Training ist ganz schlicht und einfach: Laufschuhe an, los geht’s! Ich finde es sehr praktisch, mich nicht an Öffnungszeiten wie zum Beispiel im Fitness-Studio halten zu müssen. Ich jogge meistens sehr spontan und überall: morgens im Park, spät abends nach der Schicht oder in den Häuserschluchten von Washington. Ganz nach dem Motto: Kopf voll, Laufschuhe an, Kopf wieder frei.

Bitte vervollständige folgende Sätze:

© Stephanie Wiegand

© Stephanie Wiegand

Der beste Sportmoderator im deutschen Fernsehen ist… der Mann, der mich seit meiner Kindheit mit seiner Arbeit fasziniert, mit seiner Stimme und mit seiner Gabe, Emotionen für die kleinste Randsportart zu wecken. Leider war Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich bei den Olympischen Spielen in Sotschi nicht mit dabei. Die zweite Goldmedaille in der Disziplin Sportmoderation geht an meinen Sky-Kollegen Patrick Wasserziehr, der es wie kein anderer schafft, die Dinge auf den Punkt zu bringen, kritisch hinterfragt, schlagfertig ist und dabei immer eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt.

Meine drei liebsten Sportarten sind… als Zuschauerin vor dem Fernsehbildschirm Ski Alpin, Tennis und Fußball, weil ich unglaublich mitfiebern kann. Aber als Sport-Moderatorin habe ich noch andere Vorlieben: Ehefrauen-Tragen zum Beispiel, Gummstiefel-Weitwurf oder Rückwärts- Bowling. Hin und wieder berichten wir bei Sky Sport News HD auch über skurrile Sportarten, was mir immer großen Spaß macht.

An meinen freien Tagen… bleibt der Fernseher aus und ich bin viel an der frischen Luft.

Der Grund weshalb ich es als Skifahrerin nicht zu den Olympischen Spielen geschafft habe,… hat mich zum Journalismus gebracht. Ich habe mir mit 16 Jahren das Kreuzband im linken Knie gerissen. Heißt, ich musste damals im Winter 1998 auf alle Skirennen verzichten. Als ich zu Hause die Bilder von Nagano sah, wusste ich, ich möchte diese olympische Magie irgendwann mal selbst erleben. 12 Jahre später war es dann soweit: Ich war in Vancouver mit dabei, zwar nicht als Athletin, dafür als Sportjournalistin.

Durch meine beinahe tägliche TV-Präsenz… schule ich mein Hochdeutsch. In Südtirol geboren bin ich mit dem Tiroler Dialekt aufgewachsen. Was mittlerweile auch zu einer Spielerei in der Redaktion geführt hat. Die Kollegen geben mir ein Wort in Hochdeutsch vor und ich muss es auf Südtirolerisch übersetzten. Hättest du gewusst, dass “Mamapoppele” Muttersöhnchen, “Schmusfettn” Lippenstift oder “Kotz” eine hübsche Frau bedeutet?

strich

Mehr Infos zu Birgit Nössing:
Facebook Fanpage
Offizielle Webseite

strich
Dir gefällt 5einhalb.de? Folge uns in den sozialen Netzwerken! 5einhalb.de auf Facebook 5einhalb.de auf Google+ RSS Feed abonnieren

Ein Gedanke zu „Ein Kreuzbandriss wurde für sie zum Glücksfall

Kommentare sind geschlossen.