Um in Deutschland zu bleiben, lebte sie in einer Garage

Khadra Sufi Cover

Kurzinfo Khadra Sufi

Sie lebt in Hamburg und zählt zu einer der erfolgreichsten Moderatoren bei QVC in Düsseldorf. Außerdem steht sie regelmäßig für Lyoness TV in Graz vor der Kamera und zeigt so neben Ihrem Talent die Zuschauer für interessante Produkte zu begeistern auch ihr journalistisches know-how. So ebnete sich der Weg für die mehrsprachige Powerfrau auch in den Veranstaltungsbereich. Wenn Khadra Sufi nicht gerade auf einem der mittlerweile weitverbreiteten web-tv Kanäle oder im TV zu sehen ist, begeistert Sie das Publikum auch Live on Stage mit ihrem Können und ihrem einnehmenden Wesen.

Das Interview

© Carlos Anthonyo

© Carlos Anthonyo

Norman Habenicht: Hi Khadra! Du wohnst in der wunderschönen Hansestadt Hamburg. Doch der Weg dorthin war ein sehr langer und interessanter…

Khadra Sufi: Hi Norman, erst ein Mal Danke für das Interview und Deine Zeit – Ja, mittlerweile lebe ich in Hamburg, noch gar nicht so lange. Ich liebe diese Stadt einfach. Wenn ich nach Hamburg zurück komme fühle ich mich gleich wieder zu Hause und angekommen. Ja der Weg hierhin war wirklich lang. Über mein bisheriges Leben, auch um einiges zu verarbeiten, habe ich bereits ein Buch geschrieben, “Das Mädchen, das nicht weinen durfte”. Denn hier detailliert über meinen Weg in einer Antwort alles zu erzählen, würde sicherlich den Rahmen sprengen. Mein Vater war Botschafter, daher habe ich die ersten Jahre meines Lebens in Somalia, Jemen, Sambia und Saudi-Arabien verbracht. Als 3-jährige bin ich dann mit meinen Eltern nach Ost-Berlin gekommen – dort habe ich eine tolle Kindheit gehabt, in Frieden.

Als ich dann acht Jahre alt war, mussten wir nach Somalia zurück. Aber auch dort war es erst ein Mal eine tolle Zeit. Doch dann brach dort 1990 der Bürgerkrieg aus. Wir mussten fliehen. Unser Weg führte uns über Kenia und Ägypten schließlich wieder zurück nach Deutschland. In ein Asylbewerberheim in der Nähe von Bonn. Wir hatten zwar alles verloren und nichts mehr außer die Kleidung die wir am Körper trugen, aber wir hatten endlich wieder Frieden und ein einigermaßen geregeltes Leben. Es konnte also nur noch besser werden. Meine Eltern haben ein paar Jahre später entschieden weiter nach London zu gehen, dort leben Verwandte von uns. Ich hatte genug vom umziehen und ständigen Suchen nach einem besseren Leben. Mittlerweile war ich 16 und ich wollte nicht mehr aus meinem Umfeld gerissen werden, also habe ich entschieden hier zu bleiben. Lebte erst ein Mal in einer Garage, mit einer Matratze und meinen Klamotten. Aber ich habe eine Ausbildung zur Arzthelferin gemacht und bin da noch immer verdammt stolz drauf. Weil ich es so wollte, habe ich das geschafft. So bin ich erst ein Mal in der Köln/Bonner Gegend geblieben und habe mich als Moderatorin beworben – bis schließlich jemand mir eine Chance gab.

© Carlos Anthonyo

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Die ständige Reiserei und Umzüge haben mich auf jeden Fall geprägt.

Norman Habenicht: Was glaubst du hatte diese lange Reise mit ständigen Wohnortwechseln für einen Einfluss auf deine Entwicklung und heutige Persönlichkeit?

Khadra Sufi: Die ständige Reiserei und Umzüge haben mich auf jeden Fall geprägt. Als meine Eltern das letzte Mal umziehen wollten, nach London, hatte ich genug. Ich wollte auf jeden Fall hier in Deutschland bleiben, nicht noch Mal alles einpacken, nicht noch Mal von vorne Anfangen. Ich musste meinen eigenen Weg gehen. Und dieser Weg hat mich zu dem Menschen gemacht der ich heute bin. Alles das was heute ist, habe ich mir in den letzten 16 Jahren selbst geschaffen und selbst erarbeitet. Ich bin jedem Einzelnen, der mich auf diesem Weg begleitet hat sehr dankbar und natürlich allen, die an mich geglaubt haben. Auch meinen Eltern, die darauf vertraut haben, dass ich meinen Weg alleine in diesem Land machen werde.

Norman Habenicht: Welchen Anteil hat deine Vergangenheit daran, dass du mittlerweile Botschafterin für die UNO-Flüchtlingshilfe bist?

Khadra Sufi: Ohne meine Vergangenheit wäre es nie dazu gekommen, dass ich Botschafterin der UNO-Flüchtlingshilfe geworden wäre. Es ist toll, dass ich mit meinem Projekt “Mission Possible” wichtige Aufklärungsarbeit an Schulen leisten kann, und die Jugendlichen damit aufmerksam machen kann auf die Umstände in denen die meisten Flüchtlinge leben. Für uns hier ist so vieles einfach selbstverständlich, wenn man auf der Flucht ist, hat man nichts. Ich bin sehr, sehr froh, dass ich mit meinen eigenen Erfahrungen den Jugendlichen so viel mitgeben kann. Es ist toll zu sehen, wie wissbegierig die meisten sind.

Mir war unheimlich wichtig, dass ich meine Kundinnen teilhaben lassen kann, an dem wofür mein eigenes Herz schlägt.

Norman Habenicht: Du bist eine sehr erfolgreiche Moderatorin beim Verkaufssender QVC in Düsseldorf und wirst auch regelmäßig für verschiedene Events gebucht. Welche Ziele hast du dir für deine Karriere noch gesetzt?

© Carlos Anthonyo

© Carlos Anthonyo

Khadra Sufi: Was soll ich darauf antworten (lacht) – Sagen wir, ich habe einige meiner Zwischenziele erreicht. Als Jugendliche hatte ich den Traum, als ich eine Moderatorin im Fernsehen gesehen habe mit Ihren schicken Moderationskarten, genau das wollte ich auch. Was ich zur Zeit mache, liebe ich und habe meinen Traum verwirklicht, zuletzt habe ich zum Beispiel auf der CeBIT in Hannover moderiert. Wer weiß schon genau was kommen wird. Aus meiner bisherigen Erfahrung habe ich gelernt, dass es wichtig ist, sich Ziele zu setzen, um diese zu verfolgen.

Ich bin jedenfalls sehr neugierig auf die Zukunft und viele spannende neue Projekte.

Norman Habenicht: Du hast eine eine eigene Modekollektion entwickelt “heartbeat by Khadra Sufi”. Wie ist es dazu gekommen?

Khadra Sufi: Seit 2007 bin ich nun schon bei QVC als Lifestyle-Expertin für das Taschenlabel Kipling auf dem TV-Schirm zu sehen. Mode hat mich einfach schon immer auch privat interessiert und war schon immer eine große Leidenschaft. Als kleines Mädchen habe ich schon gerne in Katalogen geblättert und konnte mir Stundenlang die tollen Klamotten anschauen. Und genau so habe ich damit auch angefangen, ich habe mir Kataloge genommen und habe ausgeschnitten, was mir gefallen hat, und so eine erste Präsentation für QVC erstellt. Glücklicherweise habe ich die Chance bekommen. In kürzester Zeit ist so die erste Kollektion entstanden. Seit Februar 2013 gibt es nun also meine eigenen Produkte bei QVC zu kaufen, auch Online. Mir war unheimlich wichtig, dass ich meine Kundinnen teilhaben lassen kann, an dem wofür mein eigenes Herz schlägt. So ist der Name der Kollektion “heartbeat by Khadra Sufi” entstanden.

Bitte vervollständige folgende Sätze:

Das schönste Land der Erde ist… Thailand.

Der peinlichste Moment in meinem Leben war… wenn ich unvermittelt laut über mich selbst lache – kommt oft vor!

Das Schönste an meinem Beruf ist… das Gefühl von Freiheit, Flexibilität und das zu machen, was man am meisten liebt!

Wenn ich mich komplett erholen möchte, dann… verschlinge ich Hörbücher.

Die beste Moderatorin im deutschen Fernsehen… ist für Ihren Bereich definitiv Sandra Maischberger.

strich

Khadra Sufi im Internet:
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strich
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