Perfekter Sprung vom Startblock ins Berufsleben

Michael Gross Delfin

Kurzinfo Dr. Michael Groß

“Flieg, Albatros, flieg…!”, waren TV-Kommentator Jörg Wontorras Worte, als Michael Groß bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles die Goldmedaille holte. Ein unvergesslicher Moment in der deutschen Sportgeschichte. Insgesamt gewann der 2,01 Meter große Frankfurter mit der sagenhaften Arm-Spannbreite von 2,13 m drei Mal Gold und sicherte sich zusätzlich fünf Weltmeister-Titel. Doch Sport war für ihn nicht Alles im Leben. Groß studierte parallel Germanistik, Politik- und Medienwissenschaften und promovierte 1994. Wohin ihn der Weg nach der Karriere geführt hat, hat er mir in einem sehr interessanten Interview verraten.

Das Interview

Norman Habenicht: Hallo, Herr Dr. Groß – es ist mir wirklich eine Ehre, Sie interviewen zu dürfen! Sie sind mit insgesamt drei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen und fünf Weltmeister-Titeln einer der erfolgreichsten deutschen Schwimmer aller Zeiten. Was machen Sie heute?

Dr. Michael Groß: Ich habe seit 2001 meine eigene Unternehmensberatung Groß & Cie. Seit 2003 unterrichte ich bei einem Lehrauftrag an der “Frankfurt School” im Bereich der Organisationsentwicklung und Personalführung. Und seit 2011 schreibe ich Fachbücher, im April erscheint das “Handbuch Change-Manager”. Dann habe ich eine Familie, die älteste Tochter macht gerade das Abitur. Und Sport treibe ich auch – häufig mit einem Brett unter den Füßen, wie Snowboarding und Wakeboarding.

MGDelfin01_600px

Für den Erfolg darf man niemals alles tun, wie zum Beispiel betrügen mit Doping. Daher immer auch an Schule und Berufsausbildung denken.

Norman Habenicht: Im Gegensatz zu vielen anderen ehemaligen Sporthelden, haben Sie den Übergang in die berufliche Karriere mit Bravour gemeistert. Wie haben Sie das geschafft, und welche Tipps würden Sie jungen Sportlern heute mit an die Hand geben?

Dr. Michael Groß: Das, was man macht, richtig machen, mit Spaß und Enthusiasmus. Und dabei klare Grenzen ziehen. Für den Erfolg darf man niemals alles tun, wie zum Beispiel betrügen mit Doping. Daher immer auch an Schule und Berufsausbildung denken. Jeder Mensch steht besser auf zwei Beinen.

Norman Habenicht: Der deutsche Schwimmsport befindet sich derzeit in einem – sagen wir mal – stark verbesserungswürdigen Zustand. Woran hapert es aktuell? Sind die Nachwuchsleute heutzutage nicht mehr fleißig und trainingseifrig genug?

Dr. Michael Groß: Das liegt an mehreren Gründen. Zum einem ist Schwimmen eine Trainingssportart und heute für viele Kinder nicht mehr so reizvoll. Dann haben wir keinen nationalen Wettbewerb, in dem man sich ständig “durchboxen” muss, um dann international gut zu sein. Und zum Schluss hapert es einigen Spitzenleuten schon an der gewissen Trainings- und Wettkampfhärte. Viele trainieren mit 1.500 bis 1.800 km weniger als wir früher – mit rund 2.500 km im Jahr im Wasser.

Norman Habenicht: Im August des vergangenen Jahres haben Sie das Buch “Selbstcoaching” veröffentlicht. Wen sprechen Sie mit diesem Werk an? Kann ich als Leser davon auf sportlicher Ebene profitieren, oder geht es auch um berufliche Aspekte?

MGross_Portrait5_600px

Dr. Michael Groß: Jeder von 18 bis 80 kann profitieren. Es geht vor allem um berufliche Aspekte und die Verbindung mit allen übrigen Lebensbereichen. Teil 1 gibt Impulse, die eigenen Motive, Stärken, Schwächen, Erwartungen zu bewerten und seine Ziele zu schärfen.

Teil 2 geht von 20 typischen Situationen einer Berufskarriere aus, von der Berufswahl über Konfliktsituationen bis hin zu Gesundheitsproblemen. Konkrete Wege werden aufgezeigt, Schritt für Schritt ganz persönliche Herausforderung zu meistern.

Das war Pech und sehr bitter.
Aber so ist der Sport.

Norman Habenicht: Sie sind seit 2010 als Botschafter für die Initiative “Respekt! Kein Platz für Rassismus” aktiv. Worum genau geht es bei diesem Projekt, und was hat Sie dazu bewogen, ausgerechnet dieses Projekt zu unterstützen?

Dr. Michael Groß: Ich unterstütze einige Projekte. “Respekt!” ist prominent und deshalb wichtig, um unser gegenseitiges Zusammenleben noch besser zu gestalten.

Norman Habenicht: Es gab extrem viele Highlights in Ihrer großen Karriere als Schwimmer. Doch mich interessieren zwei ganz bestimmte Momente – nämlich der schönste und der bitterste. Ich möchte Sie bitten, mit dem bittersten Moment zu beginnen, damit wir einen schönen Abschluss für unser Interview haben.

Dr. Michael Groß: In 100 Minuten kam in Los Angeles bei Olympia einmal alles zusammen. Zuerst der schönste Moment mit dem Olympiasieg über 100 Meter Schmetterling in Weltrekordzeit. Dann die 4×200 Meter Freistilstaffel, wo wir auch fast fünf Sekunden unter unserem eigenen Weltrekord blieben. Nur waren die USA 4/100stel schneller, ein Wimperschlag. Das war Pech und sehr bitter. Aber so ist der Sport. Am nächsten Tag ging´s weiter und es folgten noch viele schöne Momente, die nach so einer Niederlage man viel mehr schätzen kann.

strich

Dr. Michael Groß im Internet:
Offizielle Webseite
Buchbestellung “Selbstcoaching…” (Amazon)

strich
Dir gefällt 5einhalb.de? Folge uns in den sozialen Netzwerken! 5einhalb.de auf Facebook 5einhalb.de auf Google+ RSS Feed abonnieren