Ralf Richter baut Hotel für Obdachlose

Ralf Richter © 2009 Timm Ortmüller

Kurzinfo Ralf Richter

Ralf Richter genießt in Deutschland als Schauspieler absoluten Kultstatus. Seine Rollen sind meist von derbem Charakter geprägt. Geradeaus, ehrlich, typisch Ruhrpott eben. Unvergessen sein brilliantes Spiel im Kino-Klassiker Bang Boom Bang, wo er den leicht aufbrausenden Kalle Grabowski mimt. Privat ist Richter ein Familienmensch, der aber auch ein großes Herz für Menschen hat, denen es nicht so gut geht. In einem sehr unterhaltsamen Gespräch hatte ich die Gelegenheit, einige Eindrücke seines spannenden Lebens zu sammeln.

Das Interview

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Norman Habenicht: Hallo, Herr Richter. Sie sind topfit und trainieren beinahe täglich. Würden Sie sich auch mal gehen lassen und sich einen Bierbauch antrinken, wenn es eine bestimmte Rolle erfordern würde?

Ralf Richter: Das nicht, aber ich hab bei den Dreharbeiten zu „Was nicht passt, wird passend gemacht“ vor jeder Szene 1,5 Liter Wasser getrunken. So hat sich mein Magen aufgebläht. Am Ende hatte sich meine Magenwand so geweitet, dass ich auch mehr essen musste. Und da es am Set ja immer ein wunderbares Catering gibt, habe ich schon etwas zugenommen. Das hat dann ein bisschen gedauert, bis sich wieder alles normalisiert hatte.

Norman Habenicht: Sie haben in Ihrem Beruf schon fast alles gemacht. Fühlen Sie sich auf der Theaterbühne oder am Set wohler?

Beim Theater ist alles etwas erotischer und spontaner, Film ist mehr Handwerk.

Ralf Richter: Auf jeden Fall am Set. Beim Theater ist alles etwas erotischer und spontaner, Film ist mehr Handwerk. Aber ich mag es, wenn beim Film verschiedene Szenen aneinander gereiht werden ,und am Ende kommt was Toftes dabei raus.

Norman Habenicht: Im Namen aller Bang Boom Bang Fans, komme ich um diese Frage nicht herum: Wie viel Kalle Grabowski steckt in Ralf Richter? Wenn Sie jetzt sagen “Gar nichts.” steht Ihnen im Nachhinein definitiv noch ein Oscar zu.

Ralf Richter: Sehr viel natürlich. Regisseur des Films war ja mein alter Freund Peter Thorwarth, mit dem ich vorher schon oft über die Figur Kalle Grabowski gesprochen habe. Ich habe ihn während der Dreharbeiten auch manchmal überrascht, indem ich in einigen Szenen improvisiert habe. Zum Beispiel, als ich den Joint in einem Zug weggeraucht habe und kurz vor dem Ausatmen noch das Wort “Vietnam” gesagt habe. Das stand so gar nicht im Drehbuch. Das habe ich mir spontan ausgedacht, damit es authentischer rüberkommt und der Zuschauer den Beweis hat, dass ich wirklich inhaliert habe. In Köln kommen mir heute noch immer wieder Leute auf der Straße entgegen und sagen nicht “Hallo, Herr Richter”, sondern einfach nur “Vietnam”. Grundsätzlich ist es aber so, dass ich intelligenter bin als Kalle Grabowski. Der Typ ist einfach unberechenbar. Als Schauspieler ist man insgesamt ziemlich narzisstisch veranlagt, aber man sollte nicht immer so eitel sein.

Ralf Richter © 2009 Timm Ortmüller

Ralf Richter © 2009 Timm Ortmüller

Norman Habenicht: Kalle Grabowski genießt in meinem Freundeskreis Kultstatus…

Ralf Richter: Ja, das scheint nicht nur bei dir so zu sein. Wir haben bei Facebook eine Seite mit dem Namen „Grabowski–Streetwear“ gemacht. Da werden T-Shirts und Pullover mit den Sprüchen aus dem Film drauf verkauft. Die Kohle ist mir Scheiß egal, aber von der Resonanz war ich total überwältigt. In ganz kurzer Zeit haben wir da schon über 7.000 Fans. Darüber freue ich mich total. Da machen wir jetzt auch immer mal was, wo Fans Filmszenen nachspielen können und davon ein Video hochladen können. Als Dankeschön gibt es dann ein T-Shirt oder so.

Norman Habenicht: Sie helfen ja auch gerne mal jungen Filmemachern aus, wenn kein Geld da ist, wie ich gelesen habe.

Ralf Richter: Na klar. Bei den jungen Leuten von der Filmhochschule ist natürlich nie Geld da. Wenn aber jemand mit einer tollen Idee kommt, mache ich da gerne mit. Immer geht das natürlich nicht ohne Kohle. Ich habe eine große Familie. (lacht)

Norman Habenicht: Ihr soziales Engagement beschränkt sich aber ja nicht nur darauf, Nachwuchskräfte aus der Filmbranche zu unterstützen. Aktuell treiben Sie das Projekt 7 Sterne Hotel e.V. voran. Worum genau geht es bei diesem Projekt?

Wir sind noch auf der Suche nach dem Wichtigsten: einem passenden Objekt.

Ralf Richter: Ja, dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen. Vor etwa 2 1/2 Jahren kamen Pfarrer Mörtter, eine Koryphäe hier in Köln, und mein Freund Cornel Wachter auf mich zu und haben mir von der Künstlerin Miriam Kilali erzählt. Ihre Vision ist es, in 100 Städten auf der ganzen Welt ein Hotel für Obdachlose zu eröffnen. Wenn ich unterwegs bin oder durch Köln gehe, sehe ich auch viel Armut, und am liebsten möchte ich dann auch die Menschen von der Straße mit zu mir nach Hause nehmen, aber aus den verschiedensten Gründen macht man es dann doch nicht. Was bleibt, ist ein schales Gefühl.

Pfarrer Hans Mörtter, Cornel Wachter, Ralf Richter (v.l.).

Pfarrer Hans Mörtter, Cornel Wachter, Ralf Richter (v.l.).

Norman Habenicht: Was ist das Ziel von 7 Sterne Hotel e.V.?

Ralf Richter: Wir wollen den Obdachlosen ihre Würde zurück geben und ihnen darüber hinaus eine Perspektive bieten. Das Hotel soll 4-Sterne-Niveau haben. Unsere Gäste sollen sich bei uns nicht nur wohlfühlen, sondern auch an Kursen teilnehmen, damit sie danach zum Beispiel als Krankenpfleger arbeiten können. Ein ehemaliger Koch ist auf die schiefe Bahn geraten. Den wollen wir zum Beispiel fortbilden, damit er im Hotel als Küchenchef arbeiten kann. Wir haben auch die Unterstützung eines kompletten Teams aus Ärzten. Vom eingewachsenen Fußnagel bis zur Schwangerschaft, sollen die Gäste des Hotels optimal betreut werden.

Norman Habenicht: Wie kann man dieses Projekt als Unternehmen oder auch als Privatperson unterstützen?

Ralf Richter: Wir planen eine Veranstaltung in der Köln Arena mit allen bekannten Kölner Bands. De Höhner, Bläck Fööss und wie sie alle heißen. Die Kölner lieben ja ihre Stadt und dat Kölner Hätz soll an diesem Abend für den guten Zweck bluten. Für das Hotel werden für die unterschiedlichen Aufgaben verschiedene Paten gesucht. Einer verlegt Parkett, einer kümmert sich um die Wandfarbe und ein anderer spendet die Fernseher. Am Ende schreiben wir für die Ewigkeit alle Namen auf ein von Cornel Wachter entworfenes Schild. Wer sofort helfen möchte, kann das unter www.jubiluu.com tun. Das ist eine Plattform, auf der man Gruppengeschenke organisieren kann und die unterstützt auch das Projekt 7 Sterne Hotel e.V..

Norman Habenicht: Was fehlt noch für die finale Umsetzung dieser Idee?

Ralf Richter: Wir sind noch auf der Suche nach dem Wichtigsten: einem passenden Objekt. Es soll im Zentrum von Köln liegen, damit sich die Obdachlosen nicht abgeschoben fühlen. Wir suchen ein Gebäude für ca. 40-60 Zimmer. Vorher können wir auch nicht zu Spenden aufrufen. Die Menschen müsssen wissen, was sie konkret Gutes tun. Wenn ich Geld gebe, muss ich wissen “Ok, mit meinem Beitrag habe ich jetzt genau diese Türklinke bezahlt.”. Ein Freund von mir ist aus sehr sehr gutem Hause. Er ist plastischer Chrirurg und durch seine Hilfe haben wir für das Objekt schon 3 Mio. Euro zur Verfügung. Wäre toll, wenn es möglichst bald klappen würde, damit nicht noch mehr Obdachlose im Winter erfrieren müssen.

Ich mache immer nur Sachen, wo ich zu 100% dahinter stehe.

Norman Habenicht: Sie engagieren sich außerdem noch für viele andere Charity-Aktionen. Wie kam es zu diesem besonders stark ausgeprägten sozialen Engagement?

Ralf Richter: Ich mache immer nur Sachen, wo ich zu 100% dahinter stehe. Meistens bringt mich mein direktes Umfeld darauf. Meine Tochter fand zum Beispiel die Idee der autofreien Kölner Innenstadt super. Da habe ich dann auch das Auto vor der Stadt geparkt und bin mit der KVB weiter. Wenn die Leute ein Gesicht aus dem Kino oder Fernsehen kennen, achten die dann glaube ich schon mehr darauf als wenn jetzt zum Beispiel du das machen würdest.

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Norman Habenicht: Bitte gestatten Sie mir noch diese letzte Frage: Welches Fahrzeug hat sich Ralf Richter privat zuletzt zugelegt, und was hatte er dafür zu investieren?

Ralf Richter: Das letzte Fahrzeug war tatsächlich ein Opel Taunus wie bei Bang Boom Bang. Investiert habe ich dafür finanziell gar nichts. Ich war als Gast in der Sendung “Grip”, wo der Wagen noch mal wie im Film aufgemöbelt wurde. Außer diesen Flammen auf der Seite. Ich hab´ dann auf die Gage verzichtet und stattdessen das Fahrzeug behalten dürfen. Mittlerweile habe ich den Wagen aber an einen Freund abgegeben, der ihn für Werbezwecke nutzt. Ich fahre selbst sowieso nicht viel und kann ihn mir ausleihen, wenn ich möchte.

Norman Habenicht: Herr Richter, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Ihnen ganz viel Erfolg mit sämtlichen Projekten.

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Ralf Richter im Netz:

Facebook – Ralf Richter

Grabowski-Streetwear

7 Sterne Hotel e.V.

Jubiluu

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10 Gedanken zu „Ralf Richter baut Hotel für Obdachlose

  1. @timbo: mir auch. wusste gar nicht, daß er sich sozial so engagiert. dachte immer er wäre einfach nur ein lässiger proll. :-)

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