Er hat jetzt nur noch einen Chef – seine Frau

Waldi Hartmann

Kurzinfo Waldemar Hartmann

Wenn er im Fernsehen über Fußball oder Wintersport spricht, hört man ihm gerne zu. Nichts aus seinem Munde wirkt angelernt oder berechnend. Waldemar Hartmann wirkt unaufgeregt und euphorisch zugleich, ohne jedoch dabei die Sachebene zu verlassen.

Nicht nur die Zuschauer, auch die von ihm interviewten Sportler schätzen ihn. Das merkt man und wirkt sich auch meist auf das Gespräch aus. “Waldi”, wie er liebevoll genannt wird, unterzieht seine Studiogäste keinem Verhör – er führt mit ihnen ein Gespräch.

Nach dem legendären Weißbier-Interview im Jahre 2003 mit dem damaligen Teamchef Rudi Völler erlangte Hartmann endgültig Kultstatus. Ende 2012 löste er seinen Vertrag mit der ARD auf. In diesem Jahr erschien sein Buch mit dem Titel “Dritte Halbzeit – Eine Bilanz”, mit dem er für Lesungen durch die Republik tourt.

Insofern freue ich mich umso mehr, dass er sich trotzdem die Zeit genommen hat, und hoffe, ihm – trotz seiner drei geschriebenen Bücher – ein paar Neuigkeiten entlocken zu können.

Das Interview

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Norman Habenicht: Bei den Olympischen Spielen 2006 und 2008 moderierten Sie die Late-Night-Show “Olympia mit Waldi & Harry”. Beschreiben Sie doch mal das Verhältnis zwischen Ihnen und Harald Schmidt. Prallten da nicht zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinander?

Waldemar Hartmann: Die Süddeutsche Zeitung fragte damals: “Wie soll das funktionieren, Weißbier-Waldi und Bildungs-Harry?” Es funktionierte prächtig. Die Sendung kam beim Publikum bestens an. Die Quoten waren stark. Mit Harald verbindet mich seitdem eine gefühlte Freundschaft. Er hielt auf meinem 60. Geburtstag eine wunderbare Rede; und ich war bei seinem 50. eingeladen. Wir telefonieren regelmäßig.

Ich bin Rentner und habe keinen Chef mehr. Mal abgesehen von meiner Frau.

Norman Habenicht: Fußball, Wintersport, Boxen… Sie haben die verschiedensten Sportarten moderiert und teilweise kommentiert. In welcher fühlen Sie sich beruflich am wohlsten, und welche betreiben Sie privat am liebsten?

Waldemar Hartmann: Das machte eigentlich keinen Unterschied. Da, wo ich gerade im Einsatz war, hing auch mein Herz dran. Natürlich hat der Fußball in fast 40 Berufsjahren den größten Anteil eingenommen. Meine schönsten Erinnerungen habe ich an die WM Italia 90 und an die Olympischen Winterspiele 94 in Lillehammer. Mein beeindruckendstes Erlebnis war die Moderation meines letzten Boxkampfs, am 15.12.12 in Nürnberg, als mir die Redaktion und Henry Maske zusammen mit Artur Abraham und Trainer Uli Wegner einen so wunderbaren Abschied bereiteten, dass ich live in der ARD ein paar Tränen nicht unterdrücken konnte.

Norman Habenicht: Sie haben sich im November nach langer Zeit mal wieder einen Schnurrbart stehen lassen, um im Zuge der “Movember”-Aktion auf die Erforschung von Prostata-Krebs aufmerksam zu machen. Wie viele Leute haben Sie darauf angesprochen, ob Sie nun doch wieder dauerhaft auf das Relikt aus ihren Anfangszeiten umsteigen wollen?

Waldemar Hartmann: Das Thema hat sich erledigt, weil ich wirklich nur im November den Schnurri wachsen ließ. Er ist wieder ab und bleibt es auch.

Norman Habenicht: Sie sind mit Ihrem Ausrutscher als Telefonjoker bei “Wer wird Millionär” sehr offen und sympathisch umgegangen. Haben Sie trotzdem die Befürchtung, dass Ihnen diese eine falsche Antwort dauerhaft beruflich schaden wird?

Waldemar Hartmann: Es kann mir nichts und niemand mehr schaden. Ich bin Rentner und habe keinen Chef mehr. Mal abgesehen von meiner Frau.

Ich bin 65 Jahre, und genieße mein Leben. Dazu brauche ich keine Kameras.

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Norman Habenicht: In fast 40 Berufsjahren haben Sie zahlreiche Geschichten erlebt, die zu großen Teilen in Ihren Büchern nachzulesen sind. Verraten Sie mir Ihre schönste Anekdote?

Waldemar Hartmann: Ich habe mal ein großes “Heiligtum” verzockt: nämlich die Lederhose von Uli Hoeneß. Ich hatte sie mir von ihm ausgeliehen und bin damit zum Spiel des FC Bayern München gegen den SV Werder Bremen gefahren. Ich wettete gegen den damaligen Werder-Manager Willi Lemke auf einen Sieg der Bayern. Leider habe ich die Wette verloren und somit auch Hoeneß’ Lederhose. Die liegt bei den Bremern heute noch im Trophäenschrank.

Norman Habenicht: Jetzt müssen Sie Ihre Fans bitte mal kurz beruhigen: Bei welchen Projekten werden wir Waldi Hartmann auch in Zukunft noch in der Öffentlichkeit erleben, falls es zu keinem neuen Vertrag mit einem TV-Sender kommen sollte?

Waldemar Hartmann: Ich werde ab und zu in Runden sitzen, in denen über Fußball diskutiert wird, und damit hat es sich auch. Ich bin 65 Jahre und genieße mein Leben. Dazu brauche ich keine Kameras.

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Waldi Hartmann im Internet:


Offizielle Webseite

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